Tesla Powerwall

Es ist kaum zu glauben, aber seit Ende Dezember haben wir endlich unsere Tesla Powerwall Hausbatterie—nach fast 18 Monaten Wartezeit. Jetzt sind wir allerdings ziemlich begeistert, denn die Batterie wird tagsüber mit Solarstrom geladen und versorgt nachts unser Haus. Sie hat eine nutzbare Kapazität von 13,5 kWh, was locker ausreicht, um unseren Tagesbedarf von 4-6 kWh zu decken. Verfolgen kann man das ganze mit der schicken Tesla-App, die in Echtzeit den Stromfluss anzeigt. Unser Haus wird nun fast vollständig mit erneuerbarer Energie versorgt, es sei denn, es regnet mehrere Tage am Stück.

Leider können wir derzeit das Model S nicht mit Batteriestrom laden, denn die Powerwall kann die erforderlichen 50A nicht bereitstellen. Es bleibt uns allerdings die Option, einen 30A Ladestecker zu installieren und direkt von der Powewall zu laden. Ob sich das lohnt ist allerdings fraglich, denn das Auto hat mit 75 kWh eine deutlich höhere Kapazität als die Powerwall und könnte jeden Abend nur minimal geladen werden. Da scheint es die bessere Wahl, tagsüber Solarstrom ins Netz einzuspeisen und nachts das Auto zu laden (wie bisher auch). In dieser Hinsicht bietet die Powerwall keinen Vorteil.

Überhaupt rechnet es sich (noch) nicht eine Hausbatterie zu betreiben. Der Solarstrom, den man ins Netz einspeist wird dem Verbrauch gegen gerechnet. Dadurch kann man nachts das Auto fast zum Nulltarif laden. Die Batterie ermöglicht es jedoch, zur Spitzenzeit keinen Strom mehr aus dem Netz zu beziehen und dennoch die Spülmaschine, Waschmaschine, oder den Wasserkocher zu betreiben, ohne auf die Uhr schauen zu müssen. Das ist bequem, aber auch etwas Spielerei. Vielleicht passt der Stromanbieter ja irgendwann die Konditionen an und macht es weniger attraktiv, Strom einzuspeisen wenn die Sonne scheint. Egal, wir sind dann darauf vorbereitet und erfreuen uns an unserer Powerwall, die im Übrigen knapp zur Hälfte von Staat Kalifornien gefördert wurde.

Startschwierigkeiten

Frohes Neues Jahr, allerseits! Wir sind das erste Mal seit 7 Jahren in Berlin reingerutscht und waren das Geknalle absolut nicht mehr gewöhnt. Kalifornien macht weich, nicht nur was das Wetter angeht. Bis morgens um 4 Uhr wurden Raketen abgeschossen und Böller gezündet. Das ein oder andere Privatfeuerwerk entsprach so ungefähr dem offiziellen Feuerwerk von San Francisco. Schon beeindruckend, was da abging in Berlin.

Zurück in Berkeley hatten wir 3 Tage, um uns von Weihnachten zu erholen und auf den ersten Arbeitstag im Jahre 2019 einzustellen. 2018 war in mehrerer Hinsicht ein langes und anstrengendes Jahr. Und die 10 Tage in Berlin waren auch nicht unbedingt geruhsam. Daher verbrachten wir den Großteil dieser 3 Tage lesend im Bett mit Tee und Kakao. Aufgrund anhaltender Regenfälle war sowieso nicht viel mehr möglich – und das war irgendwie auch ganz gut so.

Heute morgen ging es dann auf zur Arbeit. Ich mache meinen Job immer noch gerne, aber auf den ersten Tag im Büro habe ich mich, zugegebenermaßen, nicht gefreut. Wie sich alsbald herausstellte, war ich auch nicht der einzige Kamerad mit Startschwierigkeiten an diesem Montag. Da die Straßenreinigung anstand, mussten wir unseren Fuhrpark umparken. Der Sprinter machte noch gut mit, aber unser alter GMC Safari wollte einfach nicht mehr anspringen. Auch der Versuch, ihm mit dem Mercedes Starthilfe zu geben schlug fehl. Da ich letztendlich C nicht davon überzeugen konnte, den Van auf die andere Straßenseite zu schieben und außerdem dringend zur Arbeit musste, ließ ich mich im Gegenzug von ihr überreden, die $49 für den Strafzettel im Voraus abzuschreiben. Jetzt haben wir also 4 Wochen Zeit, eine neue Batterie einzubauen. Liebe Stadt Berkeley, das war dann unsere erste Spende fürs Neue Jahr.

Thanksgiving

Die Luft ist rein. Endlich. Letzte Woche hat es das erste Mal seit März richtig doll geregnet – und selten habe ich den Regen so herbei gesehnt. Es hat wie aus Eimern geschüttet, die Straßen waren überschwemmt, aber der Himmel war eben auch wieder blau, als die Sonne wieder zum Vorschein kam. Der Regen hat den ganzen Dreck aus der Luft gewaschen und auch das Bekämpfen der Brände deutlich unterstützt.

Ansonsten standen letzte Woche einige Highlights an. Da wäre zuerst unser 15 jähriges Jubiläum, das wir mit einem Abendessen bei Commis, dem einzigen Restaurant mit zwei Michelin-Sternen in Oakland, gefeiert haben. Das Essen war berauschend und sehr avantgarde. Nichts für jeden Tag, aber gerade deswegen etwas ganz Besonderes, mit speziell abgestimmten Weinen für jeden Gang. Danach stand ja noch mein Geburtstag an, wie jedes Jahr etwas im Schatten von Thanksgiving, dem traditionellen Beginn der Vorweihnachtssaison. Groß gefeiert habe ich nicht. Nach Drinks mit ein paar Kollegen und Freunden waren C und ich dann noch Schnitzel und Käsespätzle in San Francisco essen. C hat mir eine Kala Ukulele geschenkt: handmade in Petaluma, CA.

Dann stand natürlich noch Thanksgiving auf dem Programm. Wir haben uns nach langem hin und her gegen einen Truthahn entschieden und stattdessen mit Cait und Natascha bei uns zu Hause Tortellini und Canneloni selber gemacht. Das war mindestens genauso lecker, aber auch mindestens genauso viel Arbeit wie ein Truthahn. Dennoch, wir hatten einen schönen und entspannten Tag mit gutem Essen, Wein und Sonnenschein. Während des gesamten Abends lief das mp3 Mixtape, das mein Vater mir zum Geburtstag zusammengestellt hatte – zur Begeisterung unserer Gäste. Nur in die Sauna haben wir es nicht mehr geschafft.

Thanksgiving-Zeit ist natürlich auch Shopping-Zeit. Der Black Friday hat es ja mittlerweile auch nach Deutschland geschafft. Wir haben uns nicht allzu sehr aus dem Fenster gelehnt, uns allerdings ein paar neue Küchengeräte und ordentliche Küchenmesser gegönnt – nach 15 Jahren zusammen muss man das nicht mehr als böses Omen werten. Wir kochen nach wie vor sehr gerne zusammen und das geht mit den neuen Messer noch reibungsloser.

Natürlich haben wir über das lange Vier-Tage-Wochenende auch etwas an unserem Sprinter gebastelt und meterweise Elektrokabel für Licht und Strom gezogen. Der Ausbau geht leider nur sehr langsam voran, aber wenn die Kabel fertig verlegt sind, können wir mit der Isolierung anfangen. Nächstes Wochenende könnte es soweit sein.

Am Samstag waren wir bei Freunden eingeladen. Dort gab es Truthahn à la Mexico, d.h. mit Mole, Tortillas und Tamales. Danach sind wir alles zusammen in den Cobb’s Comedy Club und haben uns Roy Wood Jr., bekannt aus der Daily Show, angesehen. Auf gutes Essen folgte eine gute Show mit reihenweise Lachern. Irgendwie hat es auch mal etwas, wenn ein Schwarzer sich über Weiße und Asiaten lustig macht.

Apropos, Truthahn: Jetzt muss ich doch noch ein Bekenntnis ablegen. Als wir am Freitag im Rahmen unseres Black-Friday-Shoppings bei Costco waren, fielen uns sofort die verbliebenen, jetzt stark reduzierten Truthähne auf. $30 Rabatt auf einen Diestel Heirloom Bio-Truthahn, da konnten wir nicht “nein” sagen. Wann bekommt man sonst so einen Vogel für $26? Und so gab es halt am Sonntag nach Thanksgiving den obligatorischen Truthahn bei uns. Warum eigentlich nicht?

Es hat sich gelohnt

Die Midterms sind jetzt mehr als eine Woche her und es wird immer noch gezählt. Ich habe ein paar Tage gebraucht, um alles zu verarbeiten, denn ein klarer Denkzettel für den Präsidenten war diese Wahl nicht! Jeder, der auf eine eindeutige Trotzreaktion der Wähler gehofft hatte, eine Rückkehr zu amerikanischen Werten, der war erstmal enttäuscht, als klar wurde, wie knapp die Wahlen tatsächlich werden würden. Dazu gehört auch ich.

Eine Woche später sieht alles schon wieder etwas anders aus. Die Demokraten haben im House of Representatives 36 Sitze und damit die klare Mehrheit errungen (231 Sitze, 218 bedeuten die Mehrheit). 6 Sitze stehen immer noch aus, da nachgezählt werden muss. Auch Josh Harder, für den wir in Tracy um die Häuser gezogen sind, war siegreich. Im Senat sieht die Lage weit weniger schlimm aus als zunächst befürchtet. Krysten Sinema wurde diese Woche in Arizona zur Siegerin erklärt. Damit haben die Demokraten netto nur einen Sitz an die Republikaner verloren. In Florida wir allerdings noch nachgezählt (zuerst maschinell, nun per Hand). In Mississippi kommt es zur Stichwahl, mit knappen Vorteilen für die Republikaner. Die Demokraten haben in mehreren Staaten, die Trump 2016 deutlich für sich entscheiden konnte, Siege davon getragen. Dabei wurden so viele Frauen gewählt wie noch nie zuvor. Bei den Republikanern sah das völlig anders aus. Es dominieren weiterhin weiße Männer. Auch wenn mit Florida und Ohio zwei für die Präsidentenwahlen wichtige Staaten weiterhin in der Hand der Republikaner geblieben sind, kann man dennoch von einer Blauen Welle reden – auch wenn es zunächst nicht danach ausgesehen hatte.

Eine blaue Welle des Regens könnten wir auch gerade gut gebrauchen in Kalifornien. Eigentlich beginnt die Regenzeit im November, aber seit Monaten ist kein Tropfen gefallen. Dafür wüten zwei riesige Feuer, eines nördlich von Sacramento, das andere in Malibu. Dort sind zig Villen von Prominenten den Flammen bereits zum Opfer gefallen – auch die von Thomas Gottschalk. Das Ausmaß der Zerstörung ist beklemmend und die Flammen wüten weiter. Bei uns in San Francisco ist die Luftqualität so schlecht, dass die Menschen auf der Straße mit Schutzmasken herumlaufen. Kräftige Winde blasen seit Tagen den Rauch zu uns. Der Himmel ist grau, ein Nebel aus Rauch hängt über San Francisco, die Sonne kommt nicht durch. Die Stimmung ist beinahe apokalyptisch. Morgen bleiben alle Schulen geschlossen, die Menschen sind aufgerufen in ihren Häusern zu bleiben. Ich merke es auch auf der Lunge. Die Rußpartikel setzen sich fest. Beide Feuer sind noch nicht unter Kontrolle. Die Feuerwehrleute kämpfen ohne Unterlass, aber das schon seit Monaten.

Ich kann ohne Übertreibung sagen, dass die Feuer in Kalifornien spürbar zugenommen haben, seit wir hier wohnen – in nur 7 Jahren. Der Klimawandel ist real. Seine Effekte werden sich zu unseren Lebzeiten weiter verstärken. Das Ende ist noch lange nicht erreicht. Mal sehen, wie viele Warnschüsse wir Menschen noch brauchen, bevor wir das Problem endlich ernsthaft angehen.

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