Corona-Mast

Wir sind jetzt seit fast vier Wochen wieder zu Hause in Kalifornien. Unsere zweiwöchige Selbstquarantäne haben wir mittlerweile ohne Symptome und Probleme hinter uns gebracht. Offenbar haben wir uns auf der Rückreise nicht mit dem Coronavirus infiziert. Im Alltag macht das allerdings keinen Unterschied, denn in Kalifornien praktizieren wir weiterhin „schelter in place“. Und wie geht es uns damit?

Noch fällt uns die Decke nicht auf den Kopf. Die Heimarbeit klappt dank moderner Kommunikationstechnologien besser als erwartet. Wir schaffen es auch ganz gut, abends einfach aufzuhören. Ich habe unseren alten Schreibtisch im Wohnzimmer aufgebaut und meinen Monitor und Bürostuhl von Square abgeholt. Zusammen mit der 1Gb Glasfaserleitung bin ich fast so produktiv wie im Büro. C genießt es, mich den ganzen Tag bei sich zu haben. Etwaige Beziehungskiller haben wir bisher routiniert umschifft. Vor zwei Wochen haben wir uns gegenseitig die Haare geschnitten. C hat es natürlich super gemacht, aber ich hatte Bammel—für mich war es das erste Mal Haare schneiden überhaupt. C redet aber immer noch mit mir. Es ist mir also offensichtlich ganz gut gelungen

Ansonsten leben wir mehr oder weniger wie Gott in Frankreich. Wir gehen einmal die Woche einkaufen, stets mit Mundschutz und Handschuhen. Beides liegt mittlerweile voll im Trend. Leider haben die Schlangen, insbesondere vor Berkeley Bowl, dramatisch zugenommen. Da sind jetzt mehrere hundert Meter locker drin. Dafür werden die Einkaufswagen am Eingang vor jedem neuen Kunden desinfiziert. Sind wir erstmal drin (und nicht einfach stattdessen zu Trader Joe’s gefahren) leisten wir uns, worauf wir Lust haben. Dann wird die ganze Woche lecker zu Hause gekocht und dann mit Bier oder Wein geschlemmt. Wir nennen das Ganze jetzt einfach Corona-Mast: viel leckeres Essen und wenig Bewegung. Komischerweise habe ich seit Weihnachten dennoch 2kg abgenommen. Vielleicht ist es der Stress?

Kontakt halten wir mit unseren Freunden vor allem über Zoom, FaceTime, etc. Das funktioniert ganz gut. Jetzt finde ich es komisch, dass ich seit Jahren Bildtelefonie im Büro nutze, aber noch nie darauf gekommen bin, Gruppenmeetings mit Freunden zu machen. Interessant ist auch, dass wir jetzt mehr Kontakt mit unseren deutschen Freunden haben. Statt in der Kneipe treffen die sich jetzt auch über Zoom und Co, und da kann man uns natürlich einfach mit einladen.

Am besten ist allerdings, dass die Arbeiten am Sprinter wieder vorangehen. Derzeit schaffen wir sogar Manches unter der Woche, da die Heimfahrt aus dem Büro entfällt. Letztes Wochenende haben wir die Schiebetür fertig gemacht, d.h. isoliert und dann mit Holzpanels und Teppich verkleidet. Das waren unsere ersten Gehversuche mit dem Stretch-Teppich aus England, den wir eigens letztes Jahr importiert hatten. Dieses Wochenende war dann unser vorläufiges Meisterstück an der Reihe. Wir haben die Fahrerseite des Wohnzimmers fertiggemacht. Wir haben eine ca. 4qm große Fläche rund um das große Seitenfenster einem einzigen Stück Teppich verkleidet. Wir haben die Gummidichtung des Fensters abgenommen, und dann wieder über den Teppich gesetzt, damit man keinen Übergang sieht. Ebenso an der Deckenverkleidung und der Plastikverkleidung an der Tür. Es ist einfach super geworden. Ich bin nicht nur zufrieden, sondern auch etwas stolz. Zum Schluss habe ich noch eine USB/12V Buchse montiert, an der man irgendwann seine Geräte laden kann. Außerdem haben den Rohling für unseren Tisch gebaut und werden diese Woche die Schiene montieren. Dann ist unsere Sitzecke schon fast fertig. Toll, wenn man den eigenen Fortschritt nach getaner Arbeit so gut sieht!

Es geht uns also gut. Wir haben Sozialkontakte, wir essen gut und der Sprinter nimmt Formen an. Am wichtigsten ist aber, dass wir uns weiterhin gut verstehen und uns nicht gegenseitig auf den Sack gehen. Wir halten also noch eine Weile durch!

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