7 – Neue Heizung

Kaum hat die neue Woche angefangen, stolpern wir schon ins nächste Projekt. Denn heute begannen die Arbeiten an unserer neuen Heizung. Wobei, nur von einer neuen Heizung zu sprechen, wird dem Ausmaß des Projekts nicht gerecht. Wie die meisten Amerikaner heizen wir mit Gas. Bereits letztes Jahr fing unsere Heizung an, Probleme zu machen. Sie überhitzte öfter und musste dann runterkühlen, was natürlich nervt, wenn es draußen kalt ist. Relativ schnell war uns dann klar, dass die Heizung auf dem letzten Loch pfeift und mittelfristig ausgetauscht werden würde.

Jetzt stehen wir also kurz davor, die Gasheizung durch eine effiziente Wärmepumpe austauschen zu lassen. Wir heizen in Zukunft also mit Strom, zum Großteil selber produziert durch unsere Solarpanels. Und wenn man gerade dabei ist, kann man ja auch noch ein paar andere energetische Maßnahmen durchführen lassen. Heute wurde die alte Glaswolle, die unseren Dachstuhl isoliert herausgerissen. Morgen wird der Dachstuhl versiegelt, so dass die warme Luft aus dem Wohnraum nicht mehr nach oben entweichen kann. So ist das in den Holzhäusern hier: Sie müssen kompliziert abgedichtet werden, sonst ziehen sie. Danach wird eine neue Isolierung aus recycelten Zeitungspapier in den Dachstuhl geblasen—voll Öko aber immerhin imprägniert, um den Brandschutz zu gewährleisten. Bis Ende der Woche werden dann die nackten Bolhen des Fußbodens ebenfalls abgedichtet und dann von unten isoliert. Dann ist das Haus schon in einem deutlich besseren Zustand und wir haben hoffentlich weniger kalte Füße im Winter.

Nächste Woche werden dann die alte Heizung entfernt und alle Lüftungsrohre unter dem Haus ersetzt. Und natürlich sind dann auch einige Arbeiten im Haus notwendig. Aber davon später mehr. Ich gehe davon aus, dass wir ca. eine Woche ohne Heizung auskommen müssen—nur gut, dass der Frühling schon da ist. Zwei Wochen soll dieses Projekt also dauern. Na, ich bin mal gespannt.

6 – Van Build

Der heutige Presidents Day Stand ganz im Zeichen unseres Sprinter-Ausbaus. Ehrlich gesagt war dieses Wochenende das erste Wochenende im Neuen Jahr, an dem wir mal wieder etwas an unserem Van geschafft haben. Und immer, wenn man lange nichts gemacht hat, dauert es etwas, bin man wieder drin ist, in der Materie.

Während C heute morgen etwas gearbeitet hat, bereitete ich die Montage der neuen Wandpanele vor. Dafür musste die Isolierung des Dachs fertig gemacht und dann mit den Wänden luftdicht verklebt werden. Zur Erinnerung, wir wollen eine Dampfsperre im Auto haben, damit unsere Atemluft nicht an den Metallwänden kondensiert, wenn wir bei Minusgraden campen. Die Schicht Reflectix-Folie war schnell ausgeschnitten. Da wir bereits in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht hatten, dass der Sprühkleber bei Hitze Mühe hat, die Folie an der Decke zu halten, musste ich noch kreativ werden. Ich fertigte schnell zwei Latten an, die wir nach dem Kleben an die Dachholme schrauben konnten, um die Folie zu halten. So würde der Kleber ohne Zugbelastung gut trocknen können. Die Gewinde für die Schrauben hatten wir schon vor Monaten als Halterungen für die Decke installiert. Sie werden irgendwann die richtige Decke halten.

Leider waren einige Gewinde lose, so dass sich die Schrauben nicht festziehen konnten. Die Gewinde drehten sich stattdessen mit. Wir hatten sie mit einem Spezialwerkzeug in bereits vorhanden Löcher gepresst, quasi wie Nieten. Dabei haben wir offenbar zwei Teile nicht richtig gequetscht und jetzt hatten wir den Salat. Das erste Gewinde konnte ich relativ problemlos mit dem Spezial-Tool befestigen. Das zweite allerdings machte richtig Probleme. Es steckte bereits eine Schraube darin, mit der wir eine Dachlatte befestigt hatten. Dabei hatte sich offenbar ein Teil der Folie mit ins Gewinde gefressen. Und jetzt ging nichts mehr. Ich versuchte alles und bekam die Schraube dann irgendwie los, indem ich das Gewinde mit einer Zange fest hielt. Nachdem das ganze Plastik entfernt war, ölte ich Schraube und Gewinde ein und versuchte sie vorsichtig wieder rein zudrehen—ab einem bestimmten Punkt war aber stets Ende. Ich vermutete, dass das Gewinde hinüber war und versuchte es hinauszubohren. Ich könnt Euch vielleicht schon denken, dass auch dieser Plan zum Scheitern verdammt war—das Gewinde drehte sich einfach mit dem Bohrer mit. Als mir wirklich nichts anderes mehr einfiel, versuchte ich noch einmal das Spezialwerkzeug. Es dauerte, aber ich bekam den Schraubaufsatz tatsächlich in das Gewinde. Ich quetschte und, siehe da, das Gewinde drehte sich nicht mehr so einfach. Also machte ich das Ganze einfach nochmal und dann hatte es verloren.

Nachdem die Vorbereitungen abgeschlossen waren, konnten C und ich dann relativ einfach die Reflectix-Folie ankleben und mit einer Holzlatte fixieren. Nachdem wir die Decken- und Wandfolien verklebt hatten, passten wir unser oberes Wandpanel ein—und sieh da, es saß perfekt. Schnell noch nein paar Löcher mit dem Senkbohrer gebohrt und wir konnten das Panel mit selbstschneidenen Blechschrauben befestigen. Jetzt fehlt nur noch ein Wandelement und die Wände sind zu. Das ist der nächste große Meilenstein.

Wir sind zufrieden mit unserer Arbeit. Und wir sind jetzt wieder drin in unserem Projekt. Aber am besten war, dass wir es geschafft haben, mit Spaß an der Freude zu arbeiten, ohne Druck, alles schaffen zu müssen. So kann es weiter gehen… nächstes Wochenende.

5 – Ein kalifornischer Tag

Heute war ein ganz normaler kalifornischer Sonntag. Wir haben ausgeschlafen, sind dann mit dem Fahrrad zum Bäcker gefahren und haben dort leckere, frischgebackene Brötchen gekauft. Danach haben wir beim Frühstück mit meinen Eltern telefoniert (per FaceTime) und dann angefangen, an unserem Sprinter zu basteln.

Heute wollten wir die Verkleidung auf der Fahrerseite fertigstellen, zwei Holzpanele galt es anzufertigen. Nach dem ersten Messen war uns allerdings klar, dass uns Material fehlte. Also machten wir das erste Teil fertig und fuhren dann zu Ashby Lumber, um Holz zu kaufen. Und wenn man schon unterwegs ist, kann man ja auch gleich noch ein paar andere Besorgungen machen, also ging es weiter zu Costco. Dort kamen wir mit $68 für ein paar Grundnahrungsmittel, Kokosnusswasser, grünen Spargel und Wildlachs regelrecht günstig davon. Bei Costco findet man ja eigentlich immer noch etwas was man nicht braucht.

Zu Hause machten wir erstmal Kaffeepause auf der Outdoor-Couch und genossen die Sonne. Es war richtig warm, so dass wir den ganzen Tag in T-Shirts und Flipflops unterwegs waren—kalifornisch eben. Danach fertigten wir noch einige Schablonen an und sägten noch etwas Holz, dann war der Arbeitstag auch vorbei. Wir beschlossen, dass es das perfekte Wochenende zum Angrillen wäre und legten Lachs und Spargel kurzerhand auf den Grill. Beides landete dann in einer leckeren Pasta, womit der Abend eingeleitet wurde.

Ganz ehrlich, dieses Wochenende haben wir die Balance zwischen Sachen erledigen und auch mal die Seele baumeln lassen ziemlich gut hinbekommen. Und es kommt noch besser, denn morgen habe ich frei—Presidents Day. C meint es gäbe nichts zu feiern und wird stattdessen arbeiten. Egal, unser kalifornisches Wochenende haben wir auf jeden Fall genossen.

 

4 – Adventure Playground

Ganz offensichtlich hat es sich auch in San Francisco herumgesprochen, dass es in Berkeley den unvergleichlichen Adventure Playground gibt. Dort können Kinder nicht nur herumtollen, sondern auch mit Holz basteln, sägen, hämmern und malern. Und wenn sie dann doch mal Abwechslung brauchen, zum Beispiel weil sie sich einen blauen Daumen gehämmert haben, gibt es nebenan noch einen traditionellen Spielplatz mit Schaukeln—alles kostenlos.

Heute führte der Adventure Playground zu einem Wiedersehen nach langer Zeit. Knapp 5 Jahre hatten wir unsere Freunde Axel und Danielle nicht mehr gesehen. In der Zeit hat sich viel getan: sie haben jetzt zwei Kinder (daher natürlich der Spielplatzbesuch), Danielle, gebürtige Kanadierin, spricht mittlerweile hervorragend deutsch—und ich bin eben grau geworden. So gab es natürlich viel zu erzählen, während die Kinder ihre schier unendliche Energie in den Spielplatz steckten.

Wir haben uns übrigens mit dem hämmern und sägen zurückgehalten, um unsere Kräfte zu schonen. Denn morgen stecken wir unsere endliche Energie in unseren eigenen Abenteuerspielplatz—unseren Sprinter.

3 – Commander in Crap

Der heutige Blogeintrag wird etwas unappetitlich. Zartbesaitete Gemüter seien also gewarnt…

Amerikanische Toiletten neigen dazu, zu verstopfen. Während wir dieses Problem, ebenso wie Stromausfälle, in Deutschland schon seit Jahrzehnten in den Griff bekommen haben, gehört der Pömpel zur Standardausstattung in den amerikanischen Badezimmern. Und sollte man einmal mehrere Tage nicht auf dem Pott gewesen sein, ist das Risiko zu verkacken vergleichbar mit dem Versuch mit einem Einrad auf einem Hochseil den Grand Canyon zu überqueren.

Heute hat es also C erwischt. Aber zum Glück hat sie zum Geburtstag, den wir vor zwei Wochen traditionell mit Freunden am Lake Tahoe gefeiert haben, eine potente und nagelneue Klobürste geschenkt bekommen: den Commander in Crap. Ähnlichkeiten mit lebenden Person sind natürlich rein zufällig, wobei ich an diese Stelle darauf hinweisen möchte, dass wir Montag Presidents Day und damit Feiertag haben. Jedenfalls lieferte der Commander gute Dienste und war zusammen mit dem Pömpel in der Lage, das Malheur zu beseitigen. Da sind wir nochmal haarscharf an einer Katastrophe vorbei geschrammt. Zu irgendwas ist der Commander in Crap also doch gut. Wie wir alle wissen, hat er seine nicht immer sauberen Finger ja eh überall im Spiel.

2 – Kundenzufriedenheit

Diese Woche haben wir endlich die bundesstaatliche Förderung für unsere Hausbatterie überwiesen bekommen—sprich, der Scheck ist also mit der Post unterwegs zu uns. Damit endet ein mehrjähriges Projekt mit einer Solarfirma aus LA, die uns zuerst einen neuen Sicherungskasten, dann Solar aufs Dach und schlussendlich die Tesla-Batterie installiert hat. Und dabei hat diese Firma uns vor allem eines gekostet: Nerven.

Sicher, sie waren stets bemüht, aber an Chaos kaum zu überbieten. Die linke Hand wusste nie, was die rechte tat. Ständig wurden Abnahmetermine versäumt, Arbeiten nicht richtig erledigt oder unsere Anfragen wochenlang nicht beantwortet. Irgendwann hatte ich den Chef an der Leitung, aber selbst das half nur kurzzeitig. Aus Ärger wurde Frustration, dann übernahmen wir die Projektleitung, um wenigstens eine Aussicht auf Erfolg zu haben. Am Ende, stritten wir uns natürlich ums Geld. Wir weigerten uns, die letzte Rate zu bezahlen bevor die gesamte Anlage abgenommen war. Jetzt ist es also soweit: Wir sind durch mit LA Solar, und wir sind quitt.

Umso größer war unsere Überraschung, als plötzlich eine Email mit der Bitte um Feedback kam. Wir mögen doch bitte eine gute Bewertung bei Yelp hinterlassen. Schließlich sei nichts so wertvoll wie zufriedene Kunden, die einen weiterempfehlen. Das belohne man dann auch gerne mit einer $500 Prämie. Also, da biste erstmal baff. So viel Ignoranz und Unvermögen hätte ich nicht mal dieser Firma zugetraut. C bemerkte trocken: „Die sollten uns mal lieber $500 anbieten, damit wir keine Bewertung abgegeben, bei Yelp“. Na gut, Schwamm drüber. Man kann sich nicht über Alles im Leben aufregen. Mit dieser Firma mache ich sicherlich nie wieder Geschäfte, aber jetzt freue ich mich erstmal auf den Scheck aus unserer Bundeshauptstadt.

1 – Radtour

Der Frühling ist in Kalifornien eingekehrt. Strahlender Sonnenschein und Temperaturen zwischen 17°C und 21°C lassen einen vergessen, dass Januar und Februar eigentlich Regen bringen sollten. Stattdessen werden die Jacken eingepackt und die Fahrräder ausgepackt.

C hat seit einigen Wochen ein neues Fahrrad. Und seit letztem Wochenende ist es 100% fahrbereit. Es begann damit, dass wir bei Brilliant Bikes ein Rad bestellt haben. Das Rad war zwar recht günstig, wartet aber mit einem Carbon-Riemenantrieb und einer 3-Gang-Nabenschaltung auf. Vor allem der Riemenantrieb ist der letzte Schrei—komplett wartungs- und fettfrei. Wie hier in den USA üblich, ließ aber die weitere Ausstattung zu wünschen übrig. Daher bestellten und montierten wir Schutzbleche, Gepäckträger und sogar den Ständer selber. Auf unserer letzten Deutschlandreise hatte ich bereits ein ganzes Vorderrad mit Nabendynamo mitgebracht (wer mitdenkt, gewinnt). Der Dynamo alleine hätte uns hier mehr gekostet! Komischerweise sind die Amis noch nicht auf den Trichter gekommen, dass Nabendynamos der Hit sind—effizienter als Felgendynamos und man muss nie die Batterien wechseln. Egal, letztes Wochenende haben wir alles montiert und nun hat C ein richtig schickes, alltagstaugliches Rad.

Und da heute das Wetter so gut war, hat sie gleich mit ihrem neuen Drahtesel einen Ausritt unternommen. Und dabei war sie so glücklich, über die Schaltung, die richtig funktioniert, die Lichtanlage mitsamt Standlicht und den Riemenantrieb, dass ich mich richtig mit ihr gefreut habe und sofort beschloss, dass zum Thema des heutigen Blogeintrags zu machen. Ihr altes Walmart-Rad, das wir vor 4 Jahren für $150 gekauft hatten, hat C kurzerhand an eine italienische Doktorandin für $80 verkauft. So hat die sich eben auch noch gefreut, als sie in Richtung Sonnenuntergang davon geradelt ist.

7 Tage, 7 Blogeintraege

Seit einigen Tagen höre ich das neue Richie Kotzen Album „50 for 50“. 50 Songs hat er aufgenommen, um seinen 50. Geburtstag zu zelebrieren. Irgendwie dachte ich mir, wenn Richie es schafft 50 Songs auf ein Album zu packen, dann schaffe ich es auch an 7 aufeinanderfolgenden Tagen zu bloggen.

Die Idee dazu kam mir, als ich meinen letzten Blogeintrag noch einmal las und ihn im Nachhinein doch etwas zu kritisch fand. Angefangen hatte er ja eigentlich mit der Freude an den kleinen Veränderungen im Leben, zum Beispiel dem Umzug ins neue Büro. Wenn ich mir jetzt also vornehme, an 7 aufeinanderfolgenden Tagen zu bloggen, dann bedeutet das vor allem, dass ich gelobe, auf die kleinen Freuden im Leben zu achten. Denn natürlich kann man schon 8 Jahre irgendwo leben und dennoch ein Auge für die Geschichten abseits des Alltags haben. Man muss sich nur darauf konzentrieren.

So viel zu meinem Vorhaben, morgen geht es also los. Womit, wird mir der morgige Tag zeigen. Ich gehe nicht davon aus, dass jeder Blogeintrag ein Knaller wird, aber das ist ja Richie auf seinem neuen Album auch nicht gelungen. Hauptsache es macht Spaß!

Mal was Neues

Heute war ein spannender Tag. Es war nämlich mein erster Arbeitstag in unserem neuen Oakland-Office. Ich bin jetzt seit 6,5 Jahren bei Square. Und ich bin einer der wenigen Mitarbeiter, die sich noch an das alte Büro im San Francisco Chronicle Gebäude erinnern können, bevor wir in unseren Bunker an der Market St gezogen sind. Keine Frage, das Hauptquartier in San Francisco ist immer noch Spitze. Aber heute habe ich aufs Neue erlebt, wie Kleinigkeiten des Alltags einem eine Freude machen können.

Zuallererst wäre da natürlich der Arbeitsweg, der Commute. Nach San Francisco brauche ich gute 50 Minuten—from door to door. Oft kommt es allerdings vor, dass BART (der Betreiber der Öffentlichen) Probleme hat. Dann dauert das Pendeln auch mal locker über eine Stunde. Natürlich habe ich mich im Laufe der Zeit daran gewöhnt, ebenso an die völlig überfüllten Züge. Nach Oakland (19th St) sind es jetzt allerdings von Berkeley nur noch 2 Stationen mit dem BART. Das schaffe ich in unter 10 Minuten. Im besten Falle reduziert sich mein Arbeitsweg jetzt von 50 auf 15 Minuten. Vielleicht spare ich mir den BART aber auch ab sofort und fahre einfach mit dem Fahrrad. Das alles klingt trivial, aber tatsächlich hatte ich den ganzen Tag ein dickes Grinsen auf dem Gesicht—erst recht, als ich abends aus dem Büro direkt in die Unterführung zum Bart ging und dort den wartenden Zug schon stehen sah. Eine ganze Stunde mehr Zeit pro Tag. Das ist ein echter Mehrwert.

Das Gebäude an sich ist natürlich auch der Hammer (siehe Fotos). Es ist riesig (8 Etagen), schick und modern eingerichtet. Natürlich ist nicht alles Gold was glänzt: In Oakland gibt es kein Mittagessen bei Square mehr. Dafür eröffnen im Erdgeschoss demnächst Cafés und Restaurants. Wer uns in den letzten Jahren besucht hat und einmal die Market St hinuntergelaufen ist, der weiß, dass die Gegend dort hart ist: überall wird gedealt und gespritzt, die Penner liegen auf der Straße herum. Das ist in Downtown-Oakland, zumindest da, wo unser neues Büro ist, anders. Es befindet sich in einer super Gegend mit viele Kneipen und Restaurants. Überhaupt hat Oakland mehr Stadtflair als San Francisco zu bieten und kommt dem „arm aber sexy“ Mantra von Berlin schon eher näher. Ich freue mich darauf, mich öfter mit C zum Mittagessen zu treffen und die Gegend zu erkunden.

Es gibt also viel zu entdecken, in und um das neue Büro. Ich werde erstmal 2-3 Tage die Woche dort arbeiten. Da der Großteil meiner Entwickler in San Francisco geblieben ist, möchte ich mich noch nicht komplett abnabeln. Aber bei einer Kapazität für 2000 Mitarbeiter und einer derzeitigen Belegung von 300 ist es absehbar, das San Francisco in Zukunft zu Gunsten von Oakland sukzessive verkleinert wird. Wie wir allerdings die jungen Menschen aus San Francisco dazu bewegen wollen, nach Oakland zu pendeln, das ist noch die große Frage. Bisher wohnen eher diejenigen mit Familie in der East Bay.

Dieses Jahr feiern wir unser 8. Jubiläum in Kalifornien. Wir haben unheimlich viel erlebt, Freunde gefunden, neues ausprobiert. Aber mittlerweile macht sich eben auch die Erkenntnis breit, dass es nicht mehr viel Neues zu entdecken gibt. Seit 5 Jahren wohnen wir in Berkeley im gleichen Haus. Seit Jahren fahren wir zum Lake Tahoe, um auf den immer gleichen Pisten Ski zu fahren. Die Mountainbike-Trails, wir kennen sie (fast) alle. Yosemite, haben wir schon zigfach durchwandert. Irgendwie gehen uns die Abenteuer aus.

Der Absatz, den ich soeben geschrieben habe, ist natürlich ebenso einleuchtend wie unfair. Nichts bleibt ewig frisch. Natürlich haben wir ein tolles Leben hier. Ich bin mir sicher, vieles würde mir fehlen, wenn wir Kalifornien verließen. Aber es bleibt eben auch die Frage: wieviel Wandel und Veränderung brauchen wir im Leben? Wie kann man dem Trott entgehen? Dabei geht es gar nicht darum, sich immer wieder in neue Abenteuer zu stürzen und den Kick zu suchen, sondern darum, sich seine Neugierde zu erhalten. C und ich sind in Kalifornien erst richtig erwachsen geworden. Mir ist nun klar, dass selbst das Leben im Paradies irgendwann zur Gewohnheit wird. Veränderung heißt eben auch Bewegung. Und Stillstehen können wir beide nicht.

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