Zu Hause im Regen

Aloha Freunde. Wir sind wieder zu Hause in Kalifornien und haben ein 4-tägiges Thanksgiving Wochenende hinter uns. Jetzt ist es wirklich nicht mehr lang bis Weihnachten. Zeit durchzuatmen. Nächstes Wochenende ist die Square Weihnachtsfeier—unsere 7.  In zwei Wochen und zwei Tagen sitzen wir schon in einem Flugzeug nach Frankfurt, und dann Berlin.

Kauai war natürlich wieder phantastisch. Es hat zwar jeden Tag geregnet, aber meistens waren die Schauer intensiv und kurz. Wir haben das Beste daraus gemacht und sind jeden Tag mit unserem Ford Mustang Cabrio offen gefahren, denn warm war es natürlich trotzdem. Am letzten Abend waren wir in einem von Einheimischen gerne besuchten Fischrestaurant essen und trauten plötzlich unseren Ohren nicht: Am Nachbartisch unterhielten sich zwei Familien über den neuen Tesla Cybertruck. „Schusssicherer Stahl“, meinte der eine Typ. „So hässlich, dass er schon wieder cool ist“ meinte seine Frau. Der Cybertruck war diese Woche vorgestellt worden und natürlich zerriss sich das gesamte Internet das Maul über das futuristische Design und den Fauxpax mit der Glasscheibe. Aber ich hätte im Traum nicht daran gedacht, dass der Cybertruck auf Kauai Gesprächsthema sein würde. Weiter weg von der Silcon Valley Blase geht kaum. Tesla ist im Mainstream angekommen. Ich finde des Design übrigens mutig, aber durchaus gelungen.

Zu Hause erwartete uns vor allem… mehr Regen. Am Lake Tahoe hat es endlich angefangen zu schneien. In Kirkwood liegt bereits ein Meter Schnee. Und es soll die ganze Woche weiter regnen (allerdings auch wärmer werden). So wie es aussieht, müssen wir vielleicht noch vor Weihnachten in die Berge, um die Skisaison einzuläuten. Unser ursprüngliches Ziel, im Winter in unserem Sprinter schlafen zu können, haben wir allerdings nicht erreicht. Obwohl die Wände fast komplett isoliert und beinahe fertig verkleidet sind, ist es natürlich nachts ohne Heizung viel zu kalt. Daher haben wir den Einbau der Truma Gasheizung als nächsten Meilenstein ausgemacht. Dieses Wochenende haben wir den Wandkamin installiert. Dafür mussten wir ein 83mm Loch in die Seite des Sprinter fräsen—nicht das erste Loch, das wir in das Auto gebohrt haben, aber mit Abstand das größte. Ich muss zugeben, mir war richtig mulmig zumute, als ich die Lochfräse ansetzte. Es hat auch fast eine Minute gedauert, um durch das Blech zu schneiden. Dann allerdings gab es kein zurück mehr. C feilte die Kanten glatt und dann lackierten wir den nackten Stahl mit Rostschutz. Das Wetter war natürlich nicht optimal. Ein Schauer jagte den nächsten. Es wäre wahrscheinlich vernünftiger gewesen, die Arbeit zu unterbrechen, aber wir wollten vorankommen. In der Dunkelheit klebten wir eine Plastiktüte über das Loch am Auto und ließen es über Nacht trocknen.

Heute morgen machten wir dann kurzen Prozess. Wandkamin an das Auspuffrohr montiert (Truma ist genial, sie nutzen ein Doppelrohr, um über denselben Ausgang frische Luft anzusagen und Abgase auszustoßen), mit dem Dichtgummi versehen, innen einen Holzrahmen mit Dichtmasse platziert und festgeschraubt. Die Konstruktion ist dicht und sieht gut aus. Jetzt können wir endlich die letzten Wände im Sprinter zu machen und dann anfangen den Schrank für die Heizung und den Kühlschrank zu bauen. Ein großes Stück weiter verkleidet haben wir heute bereits. Es ist immer noch ein weiter weg, bis die Gasanlage steht, aber wir kommen voran.

Zu Thanksgiving gab es bei uns dieses Jahr übrigens keinen Truthahn. Wir haben Nudeln selber gemacht und dann versucht am Black Friday (den gibt es jetzt auch endlich bei Euch, gell?) bei Costco einen Bio-Truthahn zum Schnäppchenpreis zu erstehen—so wie letztes Jahr halt. Dieses Jahr hat es nicht geklappt. Die Vögel wollten noch immer den vollen Preis. Vielleicht waren wir zu früh dran, vielleicht hat Costco besser geplant—wir wissen es nicht. Uns war es egal, wir haben stattdessen die restlichen Nudeln mit Sockeye Wildlachs vom Grill in Sahnesoße veredelt.

Geburtstag auf Kauai

Gestern war mein 42. Geburtstag. Nachdem wir letztes Jahr erstmals seit unserer Auswanderung nach Kalifornien nicht nach Hawaii geflogen sind (na gut, wir waren stattdessen in der Südsee segeln), sind wir dieses Jahr wieder auf Kauai, um unser Jubiläum und meinen Geburtstag zu feiern. C hatte mir eine POG Geburtstagstorte (passion fruit, orange, guava) besorgt und abends ein Lu`au, ein hawaiianisches Bankett mit Spanferkel und Hula, organisiert. Dazu gab es Mai Tais so viel man wollte. Ich hatte einen schönen Geburtstag, was auch mit den zahlreichen Glückwünschen aus aller Welt zusammenhing. Schön, dass Ihr an mich gedacht habt. Vielen Dank!

Dennoch ist unser Hawaii-Urlaub dieses Jahr anders. Wir kennen jetzt die vier großen Inseln, waren bereits vor zwei Jahren auf Kauai. Aber wo sonst Abenteuer und Neues entdecken auf dem Programm stehen, wollten wir dieses Jahr vor allem abschalten—unsere Ruhe haben. Dieses Jahr und vor allem die letzten paar Monate waren intensiv. Wir hatten zuerst Besuch von meinen Eltern, danach von unserem berliner Kumpel Jan und letztes Wochenende von unserer Freundin Sarah aus Hood River. Aber vor allem ist es die Arbeit, die uns viel abverlangt.

C schmiedet an einer Partnerschaft in einem VC Fond. Ich leite jetzt die gesamte Payment Platform bei Square, buchstäblich als General Manager. Mein Team ist 110 Personen stark und wächst nächstes Jahr noch einmal deutlich. Obwohl ich seit gut zwei Jahren zum Führungstab des Payments Teams gehöre, muss ich dennoch feststellen, dass es etwas anderes ist, wenn man der Chef ist, statt einer der Chefs. Um es klar zu sagen, der Job macht mir nach wie vor Spaß, aber ich werde gefordert—so sehr, dass ich mich einmal mehr strecken muss, um auf das Niveau zu kommen, das jetzt abverlangt wird. Ich schaffe das, keine Frage, aber bis es soweit ist, fühlt es sich erstmal unangenehm an. Das erklärt auch die Stille in meinem Blog. Ich bin abends oft einfach platt und habe keinen Nerv mehr, zu schreiben. Dazu kommt, dass ich jetzt auf Arbeit viel schreibe, damit mein Team weiß, was in meinem Kopf vor sich geht und worauf es ankommt. Irgendwann ist man einfach leer. Dabei gab es auch in den letzten Monaten einige Geschichten, die es wert gewesen wären, zu berichten.

Da waren natürlich wieder Waldbrände in Berkeley Ich weiß, dass sich einige von Euch Sorgen um uns gemacht haben—dass über die Brände in den deutschen Medien aufmerksam berichtet wurde. Diesmal war es echt knapp. Von den schweren Bränden im Norden sind wir zwar durch Wasserstraßen getrennt, aber hinter dem Berg nach Osten hat es diesmal auch in unmittelbarer Nachbarschaft gebrannt (Walnut Creek und Lafayette). Zum Glück waren diese Feuer schnell unter Kontrolle. Schwerer Rauch lag dennoch in der Luft. Dazu kam, dass  zur gleichen Zeit knapp 2 Mio. Menschen der Strom abgeschaltet wurde, weil PG&E, unser Energiebetreiber, die Befürchtung hatte, das bei heftigen Winden Strommasten umfallen und neue Feuer entzünden könnten. Wir hatten Glück: Bei uns gab es keinen Stromausfall, zwei Blocks weiter war dann aber der Ofen aus. 5 Tage waren die Menschen ohne Strom. Und auch wir waren nervös und hatten die Tesla Hausbatterie auf Standby. Seitdem denken wir über einen Inverter mit Inselmodus nach. Unser Inverter benötigt Strom vom Netz, der Wechselstromfrequenz halber—bei Stromausfall erzeugen daher die Solarpanels keinen Strom. Irgendwie dämlich. Irgendwie aber auch irre, dass man sich über so etwas Gedanken machen muss, im bevölkerungsreichsten Bundesstaat der USA. Der Klimawandel holt uns eben langsam aber sicher ein. Sowohl C als auch ich kennen Menschen, die evakuiert wurden oder (zum wiederholten Mal) alles in den Flammen um Santa Rosa verloren haben.

Mit unserem Sprinterausbau sind wir in den letzten Monaten ein gutes Stück voran gekommen. Meine Eltern waren eine Woche mit ihm unterwegs und begeistert ob der Stehhöhe und dem Platz im Auto. Bis wir damit allerdings im Winter Skifahren gehen und campen können, ist aber noch einiges zu tun. Als Nächstes haben wir vor, die Heizung einzubauen und die isolierten Wände vollständig zu verkleiden. Einen Propangastank für unters Auto habe ich ebenfalls schon bestellt. Nächstes Wochenende legen wir noch einmal einen Sprint ein, dann war es das für 2019.

Und so geht das Jahr dem Ende entgegen. Über Weihnachten werden wir wieder in Berlin sein. Aber erstmal genießen wir noch die Zeit auf Kauai.

Einmal Riesenpizza

“Es gibt Tage, an denen das Universum einem etwas schenkt”, meinte die Bedienung in der Pizzeria, bei der wir einen Medium-Pizza bestellt hatten und stattdessen die große Ausfertigung bekamen. Da blieb uns natürlich nichts anderes übrig, als das Geschenk anzunehmen. Nein, wir haben die Pizza nicht aufgegessen und werden morgen (und/oder übermorgen) noch etwas davon haben. Aber es ist doch schön zu wissen, dass einem das Universum manchmal wohlgesonnen ist.

Play, Eat, Hike

In den letzten Wochen haben wir viel erlebt. Zuerst habe ich Slash mit seiner Band (featuring Miles Kennedy and the Conspirators) live in San Francisco gesehen. Früher, als Guns N‘ Roses richtig die größte Rockband der Welt waren, war ich kein besonders großer Slash Fan. Heute muss ich zugeben: Ich habe mich geirrt und er kann es immer noch. Seine Soloalben sind klasse und mittlerweile hat er so viel Material, dass nur ein einziger Guns N‘ Roses Song im Programm war: Nightrain. Das Konzert war großartig und hat mich nebenbei daran erinnert, dass ich, bei allem Chef-sein, immer noch ein Rocker bin. Am Tag drauf musste ich unbedingt mit Lederjacke und schwarzer Jeans ins Büro. Dieses Konzert war gut für die Seele!

Am Wochenende haben wir endlich die Markise unseres Vans fertig eingestellt und dann auch gleich ausprobiert. Damit ist das Dach des Sprinters endlich fertig. Auch wenn sich das Eichhörnchen mühsam nährt: Wir kommen Schritt für Schritt voran mit unserem Sprinter-Ausbau.

Am Sonntag drauf flogen wir nach Seattle, um Sven und Nikki zu besuchen (und etwas zu arbeiten, denn ich habe ein Team dort). Dummerweise war Sven auf Bereitschaft und musste mal eben noch ein (leeres) Flugzeug nach Salt Lake City fliegen, so dass wir uns erst wieder zum Abendessen sahen. Nikki allerdings zeigte uns Seattle und ich muss sagen: bei Sonnenschein ist diese Stadt einfach ein Traum. Direkt am Wasser gelegen, von Bergen umringt—ein solches Panorama haben nur wenige Städte zu bieten. Dazu kommt, dass Seattle ebenso liberal ist wie San Francisco. Wieso bei Sonnenschein? Es halten sich hartnäckige Gerüchte, Seattle sei im Winter grausam. Andauernd solle es nieseln, die Sonne zeige sich kaum und gehe früh unter. Meiner Meinung nach ist Seattle dennoch ein absoluter Geheimtipp—C und ich waren uns einig: Hier könnten wir auch leben. Sven und Nikki waren phantastische Gastgeber und fuhren unter anderem Lammbraten à la sous vide auf. Dabei wird das Fleisch bei geringer Temperatur, ca. 50°C, für 36-48h im Wasserbad gegart und danach mit einem Brenner kross angebraten. Ich muss sagen, das Fleisch war unglaublich zart—ein echtes Erlebnis.

Und wenn man so richtig in Schwung ist, kann man ja auch gleich richtig durchziehen. Kaum waren wir wieder zu Hause, wurden auch schon wieder die Sachen gepackt. Am Mittwoch war ich noch arbeiten, am Donnerstag ging es in den Yosemite. 4 Tage backpacken standen auf dem Programm. In der Gegend um Wawona waren wir noch nie, jetzt standen wir am Anfang des Chilnualna Falls Trails. Es war schon Nachmittag, weswegen unsere erste Etappe kurz ausfallen würde. Knapp 5 Meilen hinauf in die Berge zum Wasserfall hinaufsteigen, Zelt aufbauen und die erste Nacht in der Wildnis verbringen. Wir waren uns nicht sicher, wie fit wir tatsächlich waren, aber als es dann los ging, fanden wir schnell unseren Rhythmus. Trotz des Gepäcks—neben Zelt, Klamotten, Schlafsäcken und Kochausrüstung trugen wir auch Essen für 3,5 Tage in einem Bärkanister und eine Tüte Rotwein mit uns herum—erreichten wir unser Ziel in ca. 2,5h. Dort warteten ein wunderbarer Wasserfall mit Pool auf uns. Nach dem Baden gab es noch Gewitter, aber unser Zelt hielt uns auch in der Nacht trocken.

Am nächsten Tag stand dann die erste Härteübung an. 8,2 Meilen (13km), immer bergauf zum Royal Arch Lake. Über 1.000 Höhenmeter sollten wir am Ende der ersten beiden Tage in den Beinen haben. Das Schlimmste allerdings waren die Mücken. Eine solche Plage habe ich in meinem Leben noch nicht erlebt. Zu dieser Jahreszeit ist es im Yosemite Frühling—die Schneeschmelze ist im finalen Stadium. Überall waren Wiesen überflutet, schlängelten sich kleine Bäche—perfekte Brutbedingungen für Moskitos. Und sie kamen zu Hunderttausenden, wenn nicht Millionen. Am schlimmsten war es den Seen, an denen wir vorbei kamen. Kaum blieben wir stehen, fielen die Mücken über uns her. Wir sprühten, wir rannten, wir schlugen um uns, aber wir entkamen ihnen nicht. Am Royal Arch Lake waren wir müde und emotional platt. Warum tut man sich so etwas an? Der See allerdings war traumhaft gelegen, in mitten eines Bergpanoramas. Nach einem ausgiebigen Bad waren wir dann auch wieder frisch und besserer Laune. Dennoch flohen wir nach Einbruch der Dunkelheit vor den Moskitos ins Zelt.

Am Morgen beschlossen wir, den ursprünglichen Plan umzusetzen und hinauf zum Buena Vista Lake zu wandern, anstatt einfach umzukehren. Das bedeutete allerdings ein Tagespensum von 12 Meilen (19km). C hatte sich zwar Blasen gelaufen, aber die Pflaster hielten. Und jetzt kam die Königsetappe. Den Pass erreichten wir relativ zügig, wobei wir auch zur Kenntnis nehmen mussten, dass den Mücken die Höhe nichts auszumachen schien. Am Buena Vista Lake machten wir Pause und genossen die wunderbare Aussicht. Von hier hatte man einen phantastischen Ausblick auf Half Dome und Teile des Yosemite Valley. Ich ertappte mich dabei, wie ich dachte: „Nur 17 Meilen bis ins Tal? Das kann man ja in zwei Tagen schaffen“. Draußen in der Wildnis geht die Uhr anders. Ab jetzt ging es nur noch bergab, bis zu einem steilen Ziehweg, der uns wieder auf den Pfad zu den Chilnualna Falls brachte. Wir mobilisierten die letzten Kräfte, aßen noch ein paar von Cs selber gebackenen Müsliriegeln und gingen weiter. Gegen 17 Uhr hatten wir unser Ziel erreicht. Cs Fersen allerdings waren hinüber. Sie hatte sich den ganzen Tag über mit riesigen Blasen gequält. Im letzten Sonnenschein badeten wir unter dem Wasserfall, kochten unser letztes Abendessen in der Wildnis und schliefen im Getöse des Wasserfalls—jeder mit einem Ohrstöpsel, da C ihre verloren hatte.

Noch ein Wort zu unserer Verpflegung. C hatte alle Mahlzeiten vorbereitet und abgepackt—wir hatten kein Fertigessen dabei. Es gab Polenta mit (getrockneten) Pilzen und Thunfischersatz (aus Tofu), wunderbare Mac and Cheese mit selbstgemachtem Sriracha-Bacon und Thai-Nudelsuppe mit getrockneten Krabben und Erbsen. Von wegen man muss beim Rucksack-Campen auf gute Verpflegung verzichten. Wir speisten wie die Könige, C seid Dank. An den ersten zwei Tagen gab es sogar Rotwein zum Essen. Das Wasser filterten wir unterwegs aus Seen und Flüssen. Das alles ist im Hochgebirge der Sierra Nevada Luxus pur!

Nach 4 Tagen und 30 Meilen (48km) waren wir am Ziel, zurück am Auto. Wir hatten den großen Loop geschafft und C ersehnte ihre Flipflops herbei. Bären und Berglöwen haben wir nicht zu Gesicht bekommen—zum Glück. Vor der Heimreise schauten wir uns noch die Giant Sequoias in der Mariposa Grove an. Allerdings hatten wir nicht mehr die Muße, den ganzen Fußweg zu gehen. Irgendwann ist man dann auch mal genug gelaufen.

Berkeley, eine herausragende Stadt

Ich melde mich selten zu Wort, auf diesem Blog. D ist so eisern dabei, findet die richtigen Worte und macht tolle Fotos. Und so beschäftige ich mich damit, die Ausflüge und Events zu planen, die als Grundlage für Posts dienen können. Aber manchmal bin ich unterwegs und denke, das muss für die Nachwelt festgehalten werden. Meine Startupkarriere hat mich bisher davon abgehalten. Aber die habe ich jetzt erstmal an den Nagel gehängt und beschäftige mich mit meinem Investordasein (vielleicht ein andermal mehr dazu). Nun habe mehr Zeit und kann nach 7 Jahren mal wieder einen Gastbeitrag schreiben.

Gestern war ich beim ersten City Council Meeting in Berkeley. Da ist mir mal wieder bewusst geworden, was wir für ein Glück haben, in dieser einmaligen Stadt zu wohnen. Wir dürfen hier zwar nicht wählen, aber können uns trotzdem zu Wort melden und dafür sorgen, dass die Stadt dem Puls der Zeit voraus bleibt. Hier ein paar Beispiele:

  • Unser City Council (der “Senat“ der Stadt plus Bürgermeister) besteht aus 9 Mitgliedern, davon sind 6 Frauen und 3 Männern, 2 Schwarze, 1 Latino, 1 Inderin, 1 Asiate und 3 Weisse – und keinen weissen Mann.
  • 3 Flaggen hängen aus: die amerikanische, die kalifornische und die Regenbogen Flagge.
  • Hier wurde nicht nur Freie Meinungsäußerung erkämpft, Berkeley hat als erste Stadt (nur 3 Beispiele, die Liste könnte Seiten füllen):
    • eingetragene Lebenspartnerschaften ermöglicht
    • eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke erhoben,
    • Solarinstallationen auf allen neuen Gebäuden verordnet.
Gestern wurde einstimmig beschlossen, dass es in neuen Gebäuden keine Gas-Infrastruktur mehr geben wird. Wir sind mit unserem 80% Erneuerbare Ziel bis 2030 hinterher und müssen handeln. Strom ist in Berkeley schon 80% erneuerbar, aber es gibt kaum Biogas in Kalifornien. Es waren ca. 100 Leute bei der Versammlung, die sich positiv zum Thema geäußert haben – so auch PG&E (unser lokaler Energieversorger), mehrere namhafte Architekten und der Chef des kalifornischen Energieministeriums. Der wohnt nämlich auch in Berkeley. Berkeley ist die 1. Stadt, die ein solches Gesetz verabschiedet hat.
Jetzt schaue ich mich nach einer Wärmepumpe für unser Häuschen um. Ohne Erdgas im Haus sind wir bei einem Erdbeben sicherer aufgestellt, es gibt keine NOx Emissionen im Haus und mit unserer Solaranlage auf dem Dach, kriegen wir den Strom sowieso “umsonst”. Als gute Berkeleyaner wollen wir ja ganz vorne mit dabei sein.

Wandern im Schnee

Am zweiten Tag stand unsere erste richtig Wanderung an. Zuerst mussten wir aber die Morgensteifigkeit überwinden, denn die erste Nacht auf der neuen Matratze war leider nicht so bequem wie erhofft. 10cm Schaum sind halt nicht viel, selbst wenn man die Hightech Froli-Federn darunter hat. Mit dem Bett müssen wir uns also noch etwas einfallen lassen.

Nach einem opulenten Frühstück fuhren wir zum Stanislaus Meadow, von wo unsere Wanderung zum Bull Run Lake beginnen sollte. Schnell noch die Solardusche aufs bereits heiße Autodacht gelegt und es konnte los gehen. Apropos Autodach: Unsere Leiter, von der wir Anfangs dachten, wir würden sie selten benutzen, entpuppte sich schnell als Multitalent. Aber später mehr dazu.

Bereits auf den ersten Metern des Wanderwegs hatten wir ein dèjá vu. Vor zwei Jahren waren wir in der Mokelumne Wilderness ebenfalls im Frühsommer wandern—und überall lag noch Schnee. Heute sollte es wieder so sein. Teils ein paar Zentimeter, teils weit über einen Meter hoch türmte sich der Schnee, so dass der Wanderweg oft nicht zu sehen war. Wir suchten und suchten, nahmen Umwege in kauf, z.B. um Flüsse zu überqueren, und so wurden aus 7,5 Meilen Wanderung und 3,5h, 10+ Meilen und 6h. Im Schnee kommt man halt nicht gut voran, vor allem nicht, wenn man sich bergauf durchs Dickicht schlagen muss. Letztendlich musste C auf eine Wander-App mit GPS zurückgreifen, um den Weg zum See zu finden. Nach fast 4h Wanderung waren wir am Ziel. Traumhaft lag der Bull Run Lake in der Nachmittagssonne—auf dem Wasser gab es tatsächlich noch Eisschollen. Wir sogen die Eindrücke ein, beobachteten Camper, die tatsächlich hier oben im Zelt (und im Schnee) die Nacht verbringen wollten, und machten uns auf den Heimweg. Wir hatten schließlich noch einiges vor.

Der Rückweg war hart und zog sich. Kurz vor Schluss verliefen wir uns noch einmal. Zurück am Auto waren wir dementsprechend müde und bedient. Die Wanderung was toll, die Natur phantastisch, aber wir hatten erstmal genug. Zurück an unserem Plätzchen am Fluss freuten wir uns dann über die Solardusche (danke, Mama und Papa), die mit über 41ºC richtig heiß war und an der Leiter auf perfekter Höhe hing. Was gibt es besseres, als eine heiße Dusche am Ende der Wanderung in der Wildnis?

Am nächsten Tag machten wir halblang, fuhren erstmals zum Ebbetts Pass und machten nur eine kurze Wanderung zu zwei Bergseen. C hatte Ambitionen über eine Schotterstraße ins Hochgebirge zu fahren, aber am dritten Schneehügel blieb der Sprinter dann stecken—trotz Allradantrieb. Allerdings fanden wir an der gleichen Straße ein traumhaftes Plätzchen für die Nacht, noch schöner als an den Tagen zuvor. Wir waren ganz alleine, etwas oberhalb des Flusses, der zudem einen hübschen Bogen machte. Hier war es zwar deutlich windiger und dadurch kälter, aber dafür gab es kaum Mücken. Wir kochten Tofu-Curry und setzten uns dann wieder ins Auto, als es draußen zu kalt wurde. Die letzte Nacht war dann auch etwas besser, aber die Matratze hat uns insgesamt nicht überzeugt. Zum Glück nimmt Ikea sie wieder zurück.

Fazit: Der Sprinter ist ein riesiges Upgrade. Unsere bisherige Arbeit hat sich gelohnt und die Ausstattung insgesamt gut funktioniert. Die 100A Bordbatterie hat für den Kühlschrank und den Fan ausgereicht. Wir konnten problemlos 3 Tage komplett wild campen. Zwei größere Lithium-Eisenphosphat-Batterien wollen wir dennoch einbauen. Der neue Kühlschrank ermöglicht es uns, frisches Gemüse mitzunehmen—wir haben so gut gegessen wie noch nie. Wenn wir erstmal die Solarpanels angeschlossen haben, Licht haben, die Truma-Heizung eingebaut ist, wir fließend Wasser haben… Das alles wird noch dauern, aber wenn es soweit ist, können wir in dem Van wohnen. Das ist doch was!

Ein Neues Raumgefuehl

4. Juli, 7 Uhr. Der Wochenwecker riss uns ungewollt aus dem Schlaf. Na gut, dann waren wir eben früh dran. Frühstück, Sachen ins Auto räumen, es gab ja auch einiges zu tun, bevor wir in Richtung Berge aufbrechen konnten. Um 9:30 Uhr waren wir dann unterwegs. Bei 75 Mph auf dem Highway die erste Erleichterung: Die Solarpanels hielten und erzeugten minimale Windgeräusche. Der Verkehr hielt sich in Grenzen, wir kamen gut voran. In Livermore waren die Parkplätze der Premium-Outlets schon prall gefüllt. Die Independence Day Deals lockten, wir aber ließen uns nicht beirren.

Die Fahrt nach Bear Valley war nicht besonders ereignisreich. Die Orte wurden kleiner und verschlafener. Wir stoppten kurz in Copperopolis—Ihr könnt Euch denken, woher der Name stammt—und fanden uns buchstäblich im Wilden Westen wieder: das Gras golden, die Rinder auf den Weiden, eine Ranch folgte auf die nächste. Irgendwann kam der vertraute Piniengeruch dazu, dann wussten wir: es ist nicht mehr weit. Gegen 13 Uhr machten wir am Lake Alpine Mittagspause. Der See war recht groß und gut besucht. Boote, Kajaks, Angler—Alle waren sie unterwegs. Wir aßen unsere Linsen-Wraps und zogen dann weiter, um einen Platz für die Nacht zu finden. Der erste Campingplatz war halb unter Wasser und halb eingeschneit, die Bänke von den Schneemassen zermalmt. Spätestens jetzt wussten wir, was uns in der Nacht erwarten würde. Der zweite Campingplatz etwas weiter im Tal war ganz nett, aber voller Mücken. Auch hier stand überall das Wasser. Wir fuhren weiter und fanden dann ein nettes, kostenloses Plätzchen direkt am Fluss, das wir für uns alleine hatten.

Natürlich fing ich sofort damit an, die Markise auszurollen, nur um dann festzustellen, dass die Beine nicht hielten. Leider hatten wir die Bedienungsanleitung in Berkeley liegen lassen, sonst hätten wir uns zu helfen gewusst. An der Markise war alles in Ordnung, wir haben bloß die Verriegelung der Beine nicht richtig verstanden. Halb aus Frust und halb weil es so heiß war, machte ich mich daran, den elektrischen Deckenfan an das gestern provisorisch verlegte Stromkabel für den Kühlschrank anzuschließen. Das klappte hervorragend und so machten wir erstmal ein Nickerchen mit einem angenehmen Luftzug.

Falls wir jemals Zweifel hatten, ob wir nach unserer langen Campingpause wieder in unseren Rhythmus kommen würden, sie zerstreuten sich sofort. Abends kochten wir Nudeln und trotzen den Mücken, die natürlich auch hier am Fluss ihr Unwesen trieben. Markise hin oder her, eines ist schon einmal klar: Der Sprinter bietet ein ganz anderes Raumgefühl als unser alter Van. C drehte die Vordersitze um 180 Grad und schin hatten wir mit unserer Zweiersitzbank ein richtiges Wohnzimmer. Als es kalt wurde und die Mücken nervten, zogen wir einfach ins Auto um und da schreibe ich jetzt diese Zeilen. Wir werden noch viel Spaß haben mit unserem neuen Camper.

Startklar

Wir haben es geschafft. Wir sind startklar und bereit für unseren ersten richtigen Campingausflug mit unserem Sprinter. Vier Wochenenden haben wir alles gegeben für diesen Moment. Vorgestern Abend haben wir die Froli-Bettfedern zusammengebaut, gestern Abend die Markise angebracht und die neue Matratze auf den Bettfedern ins Auto gelegt. Heute haben wir vor allem gepackt und dann entschieden erst morgen loszufahren. Das gab uns noch etwas Zeit für ein Experiment.

Gestern ist nämlich unser neuer Kühlschrank gekommen. Er ist ungefähr doppelt so groß wie unser alter, den wir immer in unserem GMC Safari dabei hatten. C war so scharf auf den Kühlschrank, dass sie spontan vorschlug, ihn einfach mitzunehmen—und warum nicht? Ich hatte noch einen 12V-Zigarettenanzünderstecker mit passender 15A Sicherung. Der Sprinter hat zwei 12V Buchsen, eine vorne und eine im Laderaum, die von der zweiten Starterbatterie (ab Werk) gespeist werden. Also haben wir einfach den Kühlschrank über ein längeres Kabel mit dem Stecker angeschlossen. Und siehe da, es klappte auf Anhieb. Damit haben wir unser Ziel sogar übertroffen. Wir wollten den Sprinter auf das Niveau bringen, das wir vom Safari gewohnt waren. Jetzt haben wir sogar schon einen größeren Kühlschrank als vorher.

Der Einbau der Markise verdient auch noch eine kurze Geschichte. Der Sprinter ist über 3m hoch, die Markise über 3m lang. Sie wiegt zwar nicht besonders viel, ca. 20 kg, aber damit wollten C und ich nicht auf zwei Leitern steigen. Stattdessen haben wir uns in Berkeley nach Laderampen umgesehen und wurden in der 4th St fündig. Als unser Kumpel Fabrizio sich dann noch bereit erklärte, uns zu helfen, konnte der Einbau vonstatten gehen. Wir fuhren abends zu dritt zur Laderampe und C stellte den Sprinter parallel daneben. Dann mussten Fabrizio und ich nur noch die Markise auf die Laderampe legen und sie dann zu zweit auf Höhe des Autodachs heben, wo C schon wartete und sie einhängte. Die ganze Aktion war innerhalb einer halben Stunde erledigt—mitsamt Fixierung der Markise. Danach gingen wir zur Feier des Tages noch ein Bier trinken.

Morgen früh geht es in die Berge, in Richtung Bear Valley. Bear Valley liegt zwischen Lake Tahoe und Yosemite. Wir erwarten dort nicht so einen Massenandrang wie im Yosemite. Dort ist eh immer die Hölle los und an Feiertagen wie diesem 4. Juli geht gar nichts mehr. In Bear Valley finden wir dagegen vielleicht sogar noch einen Campingplatz, z.B. am Mosquito-Lake, oder wir stehen einfach wild. Das entsprechende Campfire-Permit hat C heute schon besorgt.

Nach vier Wochenenden schuften freuen wir uns jetzt auf vier Tage frei, abseits des Trubels der Bay Area und weit weg vom Internet. Stattdessen stehen Wandern und draußen kochen auf dem Programm. Wir melden uns nächste Woche mit ersten Eindrücken und Fotos von der Markise.

Workend

Der Sprinterausbau geht weiter, denn wir haben ein großes Ziel: Am 4. Juli beginnt ein Viertageswochenende und wir wollen im Auto schlafen. Dafür haben wir die letzten drei Wochenenden durchgearbeitet—Workend statt Wochenende.Vor drei Wochen haben wir den Auszug für die Mountainbikes fertiggestellt. Wir haben eine Schublade gebaut, die man fast komplett aus dem Van ziehen kann, um die Fahrräder, nachdem man die Vorderräder entfernt hat, zu montieren. Die Gabeln werden eingespannt, dann schiebt man die Schublade einfach ins Auto und es kann losgehen. Jetzt könnten wir jederzeit ohne extra Fahrradträger losfahren, wenn wir denn Zeit zum Radfahren hätten. Die Schublade sieht super aus und funktioniert bestens, aber sie hat uns Nerven gekostet. Insgesamt vier Tage haben wir damit verbracht, sie zu bauen und zu montieren. Ständig gab es Kleinigkeiten, die nicht passten. Aber im Endeffekt hat sich die Arbeit gelohnt.

Vor zwei Wochen haben wir die Solaranlage auf dem Dach installiert. Das war ein ähnlicher Kraftakt wie die Fahrrad-Schublade, allerdings in luftiger Höhe. Zuerst haben alles mehrfach ausgemessen, dann zwei Aluminiumlatten zurecht gesägt und zig Löcher gebohrt, um die Solarpanels miteinander und mit den Latten zu verschrauben. Danach mussten wir erst drei Löcher ins Autodach bohren, um die Kabel für Solar und die LED- Markisenbeleuchtung (da staunt Ihr, was?) zu  verlegen. Ich habe noch nie Löcher in ein Auto gebohrt, aber es ging mir erstaunlich leicht von der Hand. Nachdem alles versiegelt und mit Gummidichtungsringen geschützt war, zogen wir die Kabel durch. Zum Abschluss klebten wir Plastikabdeckungen auf das Dach, die wir natürlich mit Silikon abdichteten. Jetzt war es an der Zeit, die Solarpanels zu montieren. Dafür mussten wir aber erst nach und nach alle Teile aufs Dach befördern, um sie dort zu verschrauben. C war auf dem Dach, ich auf der Leiter. Trotz meiner 1,90m musste mich richtig strecken, um alles zu montieren—und hatte in der Woche drauf Muskelkater in den Waden. Die Montage war anstrengend, aber die Bohrlöcher passten und am Sonntagabend waren die Panels auf dem Dach. Danach ging es essen, wie jedes Workend nach getaner Arbeit. Strom wird noch nicht produziert, denn wir haben noch keine Batterien.

Dieses Wochenende stand dann wieder Innenausbau an. Das Holz für das Bettgestell hatten wir bereits vor zwei Wochen zugeschnitten, jetzt wollten wir es montieren. Allerdings mussten wir davor erst die unteren Teile der hinteren Seitenwände verkleiden. C hatte bereits Schablonen aus Pappe vorbereitet, so dass wir schnell anzeichnen und sägen konnten. Ein paar Feinarbeiten hier, ein paar Feinarbeiten da und die erste Seitenwand war bereit für die Montage. Wir arbeiteten mit selbstschneidenden Schrauben, um nicht aus Versehen durch die Außenhaut zu bohren. Das ging ganz gut, obwohl nicht jede Schraube fasste. Dennoch, wir waren zufrieden mit unserer Arbeit. Nachdem wir die einzelnen Rahmen des Bettgestells verschraubt hatten, ging es zurück ins Auto. Leider fiel uns schnell auf, dass die Schrauben, um das Gestell mit dem Fußboden zu verschrauben, etwa 5mm zu lang waren. Das war ärgerlich, denn so waren wir um den Erfolg unserer Arbeit gebracht. Ohne die richtigen Schrauben, konnten wir das Bettgestell nicht fertigstellen.

Dennoch, wir haben viel geschafft in den letzten drei Wochen und werden ziemlich sicher unser Ziel erreichen. In zwei Wochen fahren wir in die Sierra campen und schlafen erstmals auf einer richtigen Matratze mit den Froli-Bettfedern in unserem Sprinter. C hat sich die Zeit genommen, um einen richtigen Projektplan für den Ausbau zu erstellen. Dass wir noch viel zu tun haben, wussten wir vorher. Jetzt haben wir aber einen besseren Überblick darüber, was uns erwartet. Es wird noch ca. 16 Wochenenden dauern, um am Ziel zu sein. Aber dafür schaut der Berg des Ausbaus nicht mehr so groß, so hoch aus—denn wir haben ihn in Häppchen zerlegt.

 

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