Lokal einkaufen

Wir sind jetzt seit vier Tagen wieder in Kalifornien und haben uns mit der Ausgangssperre gut arrangiert. Der Kühlschrank ist voll, wir müssen weder verhungern, noch rationieren. Stattdessen versuchen wir uns etwas vom Dauerthema COVID-19 abzulenken. Während ich diese Zeilen schreibe, macht C eine Happy-Hour-Videokonferenz mit ihren ehemaligen Kollegen von Siemens. Man trifft sich auf ein Bier—virtuell eben. Zoom macht es möglich, Kneipenhintergrundbild inklusive.

Ansonsten haben wir angefangen, uns damit auseinander zu setzen, wie wir unseren Lieblingsläden helfen können. Bars, Restaurants, fast alle Läden sind zu—das bedeutet Existenzängste bei Kleinunternehmern. Not macht aber auch im Jahre 2020 immer noch erfinderisch. Unsere Lieblingsbrauerei verkauft jetzt Bier per Vorbestellung im Internet. Man bestellt und fährt dann zur Brauerei, wo man die Bestellung (in 1l Dosen) in Empfang nimmt. Das ist erlaubt. Natürlich können so die Umsatzeinbußen, die durch den Verlust des Ausschankgeschäfts entstehen, nicht ersetzt werden. Aber schließen muss die Brauerei eben auch nicht. Das macht Hoffnung. Und Hoffnung treibt die Menschen dazu an, weiter zu machen.

Ähnlich sieht es bei unserem Weinhändler in Oakland aus. Dort nimmt man es mit dem Verkaufsverbot nicht so genau—der Laden war geöffnet. Im Grunde genommen gilt aber dasselbe Prinzip: Wein per Weinabo oder Telefon bestellen, im Internet bezahlen und dann vor Ort abholen. Interaktionen mit dem Verkäufer entfallen damit fast vollständig, womit auch der Anordnung, Kontakte zu meiden genüge getan wäre. Auch hier dürfte gelten: Die Laufkundschaft wird nicht zu ersetzen sein, aber das Geschäft geht weiter. Ich möchte nicht, dass diese kleinen Läden pleite gehen, und Andere sehen das offenbar genauso. Ob es reicht, was wir tun, werden wir sehen. Wir unterstützen auf jeden Fall weiterhin unsere lokalen Unternehmen. Nächste Woche bekommen wir wieder unsere Gemüsebox, direkt vom Bauern.

Nebenan wird gelacht, während ich mein Bier von Novel Brewing austrinke. Caro und ihre ehemaligen Kollegen verstehen sich auch per Videokonferenz bestens. Auch in Selbstisolation muss man nicht auf Sozialkontakte verzichten. Man muss nur kreativ werden—so wie C.

Welt aus den Fugen – Die Corona-Tagebücher

Liebe Leser, in den letzten vier Wochen ist so viel passiert, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Die Welt ist aus den Fugen geraten. Wir alle leben in ungewissen Zeiten.

Da wäre natürlich zuerst die COVID-19 Pandemie. Rückblickend ist es schwer vorstellbar, dass wir vor 4 Wochen dachten, der Virus würde sich auf China beschränken. Vor drei Wochen, am letzten Februarwochenende, waren C und ich mit ihren Arbeitskollegen von Blue Bear noch in Jackson Hole Skifahren. An Gesichtsmasken, Abstand halten, oder ständig Hände waschen war da noch keine Rede. Jetzt haben wir nicht nur eine weltweite Pandemie, sondern auch eine Wirtschaftskrise zu bewältigen. Bei Square wird seit 3 Wochen von zu Hause gearbeitet. Erst war es eine starke Empfehlung, seit zwei Wochen ist sie verpflichtend. Rückblickend bin ich stolz, dass meine Firma, so wie viele andere im Silicon Valley, schnell reagiert hat—vor allem, da die amerikanische Regierung jegliche Führung in der Krise vermissen lässt.

Kaum waren wir aus Jackson Hole zurück, ist dann Cs Vater verstorben. Auch wenn es ihm schon lange nicht gut ging, ist der Tod des eigenes Vaters (und Schwiegervaters) natürlich ein schwerer Verlust. Am Donnerstagmorgen haben wir die traurige Nachricht erhalten, abends saßen wir schon im Flugzeug nach Deutschland. Für viele Freunde in Deutschland schwer vorstellbar: Ich habe ohne Probleme frei bekommen. “Nimm Dir die Zeit, die Du brauchst und sei für Deine Frau da”, meinte mein Chef. In meiner Email an mein Team schrieb ich unter anderem: “Ich hoffe, sie lassen mich wieder rein, in die USA”. Damals konnte ich nur ahnen, wie sich die COVID-19 Situation entwickeln würde.

Insgesamt waren wir 12 Tage in Berlin. Zum Trauern blieb wenig Zeit. Während wir von Erledigung zu Erledigung hetzten, eine Trauerfeier organisierten und sie wieder absagten und uns um Cs Mutter kümmerten, spitzte sich die Lage in Europa zu. Die Neuinfektionen schossen exponentiell in die Höhe. Plötzlich war von “flattening the curve” die Rede. Dann kam der Travel Ban für Europäer—keine Einreise mehr in die USA. Zum Glück gab es eine Ausnahme für Staatsbürger und Permanent-Residents, also Green-Card-Inhaber wie uns. Während sich Gott und die Welt in die Flugzeuge stürzte, um nach Hause in die USA zu kommen, warteten wir ab. Wir waren einfach noch nicht fertig in Berlin. Dennoch spitzte sich die Lage weiter zu. Das Pflegeheim, in dem Cs Mutter wohnt wurde abgeriegelt, die Ämter schlossen nach und nach. An eine öffentliche Trauerfeier war plötzlich nicht mehr zu denken. Wir mussten uns damit auseinandersetzen, wie wir nach Hause kommen. Denn mehrere Monate in Deutschland feststecken, ohne Krankenversicherung, wollten wir auch nicht—vor allem während bei Square mittlerweile aufgrund der Rezession alle Ampeln auf rot schalteten.

Wir behielten also einen kühlen Kopf, buchten unseren Flug um und flogen am Mittwoch, den 18. März wieder nach Kalifornien. In der Maschine waren nur gut 75 Passagiere—sie hatte Platz für 250. In San Francisco wurden wir dann in Gruppen zu 20 aus der Maschine gebeten, befragt und darauf aufmerksam gemacht, dass wir uns für 14 Tage zu Hause isolieren sollen. Es gab keine Schlangen und keine Panik. Die Selbstisolierung zu Hause (shelter in place) galt mittlerweile für Alle, denn Kalifornien hatte längst den Notstand ausgerufen und eine Ausgangssperre für die Bay Area verhängt. Wir dürfen unser Haus verlassen, um einzukaufen, den Arzt aufzusuchen oder spazieren zu gehen. Viel mehr geht nicht.

Und wie ist die Lage in den USA? In Deutschland herrscht offenkundig die Meinung, dass wir viel besser vorbereitet seien, als die Amis. Die Trump-Regierung und insbesondere der Präsident seien überfordert, heißt es. Da ist etwas dran. Es wird eindeutig zu wenig getestet in den USA. Trump spielte die Gefahr des Virus zuerst herunter und log dann, dass sich die Balken biegen. Aber die USA sind ein föderaler Staat und es gibt eine Eigenschaft der Amerikaner, die ihnen in dieser Zeit zu Gute kommt: ihr Hang zur Selbstständigkeit. Während Trump also noch versuchte, die Gefahr herunterzuspielen, handelten Gouverneure, Firmen und Einzelne.

Anders als in Berlin, wo COVID-19 im Alltag noch nicht angekommen war, halten die Menschen in Kalifornien sich an die Ausgangssperre. Man organisiert sich in der Nachbarschaft, geht füreinander einkaufen und trifft sich auf der Straße—natürlich mit 2m Sicherheitsabstand. Bei Berkeley Bowl werden jetzt nur noch 50 Personen gleichzeitig in den Supermarkt gelassen. Es gibt Desinfektionsmittel und Handschuhe am Eingang, nicht nur wir trugen Masken beim Einkaufen. Das Angebot im Supermarkt ist wie immer—nur der Reis ist weggehamstert. Ich habe das Gefühl, wir sind hier weiter als in Berlin. Wenn wir noch nicht infiziert sind, erscheint die Gefahr, COVID-19 zu bekommen jetzt niedriger als in Berlin.

Dennoch ist es unstrittig, dass das amerikanische Gesundheitssystem auf eine harte Probe gestellt werden wird. Dazu kommt, dass es die ersten Entlassungen gibt. Nicht nur der Umsatz von Square leidet darunter, dass Geschäfte und Restaurants schließen mussten. In einer Gesellschaft, wo der Arbeitgeber die Krankenversicherung zahlt, ist eine Pandemie dieses Ausmaßes zusammen mit einer Rezession der Super GAU. Zum Glück bringen Nancy Pelosi und das von Demokraten geführte Repräsentantenhaus jetzt Gesetzesentwürfe ein, die bezahlte Krankheitstage, kostenlose COVID-19 Tests und Unterstützung für Arbeitslose garantieren. Dennoch ist klar: es wird bitter. Vor allem die Trump-Wähler wird es schwer treffen. Viele sind immer noch der Meinung, es handele sich bei COVID-19 um ein Komplott, eine Erfindung, um Trump aus dem Amt zu jagen. Ich bin gespannt, wie diese Situation sich in den nächsten Monaten entwickeln wird. Dabei ist klar, Trumps Chancen auf eine Wiederwahl schwinden–je schlimmer die Rezession, desto mehr sinken sie.

Die Welt ist aus den Fugen geraten. Von heute auf morgen befinden wir uns in einer Situation, die selbst unsere Eltern und Großeltern noch nicht erlebt haben. Es wird an uns liegen sie zu meisten.

7 – Neue Heizung

Kaum hat die neue Woche angefangen, stolpern wir schon ins nächste Projekt. Denn heute begannen die Arbeiten an unserer neuen Heizung. Wobei, nur von einer neuen Heizung zu sprechen, wird dem Ausmaß des Projekts nicht gerecht. Wie die meisten Amerikaner heizen wir mit Gas. Bereits letztes Jahr fing unsere Heizung an, Probleme zu machen. Sie überhitzte öfter und musste dann runterkühlen, was natürlich nervt, wenn es draußen kalt ist. Relativ schnell war uns dann klar, dass die Heizung auf dem letzten Loch pfeift und mittelfristig ausgetauscht werden würde.

Jetzt stehen wir also kurz davor, die Gasheizung durch eine effiziente Wärmepumpe austauschen zu lassen. Wir heizen in Zukunft also mit Strom, zum Großteil selber produziert durch unsere Solarpanels. Und wenn man gerade dabei ist, kann man ja auch noch ein paar andere energetische Maßnahmen durchführen lassen. Heute wurde die alte Glaswolle, die unseren Dachstuhl isoliert herausgerissen. Morgen wird der Dachstuhl versiegelt, so dass die warme Luft aus dem Wohnraum nicht mehr nach oben entweichen kann. So ist das in den Holzhäusern hier: Sie müssen kompliziert abgedichtet werden, sonst ziehen sie. Danach wird eine neue Isolierung aus recycelten Zeitungspapier in den Dachstuhl geblasen—voll Öko aber immerhin imprägniert, um den Brandschutz zu gewährleisten. Bis Ende der Woche werden dann die nackten Bolhen des Fußbodens ebenfalls abgedichtet und dann von unten isoliert. Dann ist das Haus schon in einem deutlich besseren Zustand und wir haben hoffentlich weniger kalte Füße im Winter.

Nächste Woche werden dann die alte Heizung entfernt und alle Lüftungsrohre unter dem Haus ersetzt. Und natürlich sind dann auch einige Arbeiten im Haus notwendig. Aber davon später mehr. Ich gehe davon aus, dass wir ca. eine Woche ohne Heizung auskommen müssen—nur gut, dass der Frühling schon da ist. Zwei Wochen soll dieses Projekt also dauern. Na, ich bin mal gespannt.

6 – Van Build

Der heutige Presidents Day Stand ganz im Zeichen unseres Sprinter-Ausbaus. Ehrlich gesagt war dieses Wochenende das erste Wochenende im Neuen Jahr, an dem wir mal wieder etwas an unserem Van geschafft haben. Und immer, wenn man lange nichts gemacht hat, dauert es etwas, bin man wieder drin ist, in der Materie.

Während C heute morgen etwas gearbeitet hat, bereitete ich die Montage der neuen Wandpanele vor. Dafür musste die Isolierung des Dachs fertig gemacht und dann mit den Wänden luftdicht verklebt werden. Zur Erinnerung, wir wollen eine Dampfsperre im Auto haben, damit unsere Atemluft nicht an den Metallwänden kondensiert, wenn wir bei Minusgraden campen. Die Schicht Reflectix-Folie war schnell ausgeschnitten. Da wir bereits in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht hatten, dass der Sprühkleber bei Hitze Mühe hat, die Folie an der Decke zu halten, musste ich noch kreativ werden. Ich fertigte schnell zwei Latten an, die wir nach dem Kleben an die Dachholme schrauben konnten, um die Folie zu halten. So würde der Kleber ohne Zugbelastung gut trocknen können. Die Gewinde für die Schrauben hatten wir schon vor Monaten als Halterungen für die Decke installiert. Sie werden irgendwann die richtige Decke halten.

Leider waren einige Gewinde lose, so dass sich die Schrauben nicht festziehen konnten. Die Gewinde drehten sich stattdessen mit. Wir hatten sie mit einem Spezialwerkzeug in bereits vorhanden Löcher gepresst, quasi wie Nieten. Dabei haben wir offenbar zwei Teile nicht richtig gequetscht und jetzt hatten wir den Salat. Das erste Gewinde konnte ich relativ problemlos mit dem Spezial-Tool befestigen. Das zweite allerdings machte richtig Probleme. Es steckte bereits eine Schraube darin, mit der wir eine Dachlatte befestigt hatten. Dabei hatte sich offenbar ein Teil der Folie mit ins Gewinde gefressen. Und jetzt ging nichts mehr. Ich versuchte alles und bekam die Schraube dann irgendwie los, indem ich das Gewinde mit einer Zange fest hielt. Nachdem das ganze Plastik entfernt war, ölte ich Schraube und Gewinde ein und versuchte sie vorsichtig wieder rein zudrehen—ab einem bestimmten Punkt war aber stets Ende. Ich vermutete, dass das Gewinde hinüber war und versuchte es hinauszubohren. Ich könnt Euch vielleicht schon denken, dass auch dieser Plan zum Scheitern verdammt war—das Gewinde drehte sich einfach mit dem Bohrer mit. Als mir wirklich nichts anderes mehr einfiel, versuchte ich noch einmal das Spezialwerkzeug. Es dauerte, aber ich bekam den Schraubaufsatz tatsächlich in das Gewinde. Ich quetschte und, siehe da, das Gewinde drehte sich nicht mehr so einfach. Also machte ich das Ganze einfach nochmal und dann hatte es verloren.

Nachdem die Vorbereitungen abgeschlossen waren, konnten C und ich dann relativ einfach die Reflectix-Folie ankleben und mit einer Holzlatte fixieren. Nachdem wir die Decken- und Wandfolien verklebt hatten, passten wir unser oberes Wandpanel ein—und sieh da, es saß perfekt. Schnell noch nein paar Löcher mit dem Senkbohrer gebohrt und wir konnten das Panel mit selbstschneidenen Blechschrauben befestigen. Jetzt fehlt nur noch ein Wandelement und die Wände sind zu. Das ist der nächste große Meilenstein.

Wir sind zufrieden mit unserer Arbeit. Und wir sind jetzt wieder drin in unserem Projekt. Aber am besten war, dass wir es geschafft haben, mit Spaß an der Freude zu arbeiten, ohne Druck, alles schaffen zu müssen. So kann es weiter gehen… nächstes Wochenende.

5 – Ein kalifornischer Tag

Heute war ein ganz normaler kalifornischer Sonntag. Wir haben ausgeschlafen, sind dann mit dem Fahrrad zum Bäcker gefahren und haben dort leckere, frischgebackene Brötchen gekauft. Danach haben wir beim Frühstück mit meinen Eltern telefoniert (per FaceTime) und dann angefangen, an unserem Sprinter zu basteln.

Heute wollten wir die Verkleidung auf der Fahrerseite fertigstellen, zwei Holzpanele galt es anzufertigen. Nach dem ersten Messen war uns allerdings klar, dass uns Material fehlte. Also machten wir das erste Teil fertig und fuhren dann zu Ashby Lumber, um Holz zu kaufen. Und wenn man schon unterwegs ist, kann man ja auch gleich noch ein paar andere Besorgungen machen, also ging es weiter zu Costco. Dort kamen wir mit $68 für ein paar Grundnahrungsmittel, Kokosnusswasser, grünen Spargel und Wildlachs regelrecht günstig davon. Bei Costco findet man ja eigentlich immer noch etwas was man nicht braucht.

Zu Hause machten wir erstmal Kaffeepause auf der Outdoor-Couch und genossen die Sonne. Es war richtig warm, so dass wir den ganzen Tag in T-Shirts und Flipflops unterwegs waren—kalifornisch eben. Danach fertigten wir noch einige Schablonen an und sägten noch etwas Holz, dann war der Arbeitstag auch vorbei. Wir beschlossen, dass es das perfekte Wochenende zum Angrillen wäre und legten Lachs und Spargel kurzerhand auf den Grill. Beides landete dann in einer leckeren Pasta, womit der Abend eingeleitet wurde.

Ganz ehrlich, dieses Wochenende haben wir die Balance zwischen Sachen erledigen und auch mal die Seele baumeln lassen ziemlich gut hinbekommen. Und es kommt noch besser, denn morgen habe ich frei—Presidents Day. C meint es gäbe nichts zu feiern und wird stattdessen arbeiten. Egal, unser kalifornisches Wochenende haben wir auf jeden Fall genossen.

 

4 – Adventure Playground

Ganz offensichtlich hat es sich auch in San Francisco herumgesprochen, dass es in Berkeley den unvergleichlichen Adventure Playground gibt. Dort können Kinder nicht nur herumtollen, sondern auch mit Holz basteln, sägen, hämmern und malern. Und wenn sie dann doch mal Abwechslung brauchen, zum Beispiel weil sie sich einen blauen Daumen gehämmert haben, gibt es nebenan noch einen traditionellen Spielplatz mit Schaukeln—alles kostenlos.

Heute führte der Adventure Playground zu einem Wiedersehen nach langer Zeit. Knapp 5 Jahre hatten wir unsere Freunde Axel und Danielle nicht mehr gesehen. In der Zeit hat sich viel getan: sie haben jetzt zwei Kinder (daher natürlich der Spielplatzbesuch), Danielle, gebürtige Kanadierin, spricht mittlerweile hervorragend deutsch—und ich bin eben grau geworden. So gab es natürlich viel zu erzählen, während die Kinder ihre schier unendliche Energie in den Spielplatz steckten.

Wir haben uns übrigens mit dem hämmern und sägen zurückgehalten, um unsere Kräfte zu schonen. Denn morgen stecken wir unsere endliche Energie in unseren eigenen Abenteuerspielplatz—unseren Sprinter.

3 – Commander in Crap

Der heutige Blogeintrag wird etwas unappetitlich. Zartbesaitete Gemüter seien also gewarnt…

Amerikanische Toiletten neigen dazu, zu verstopfen. Während wir dieses Problem, ebenso wie Stromausfälle, in Deutschland schon seit Jahrzehnten in den Griff bekommen haben, gehört der Pömpel zur Standardausstattung in den amerikanischen Badezimmern. Und sollte man einmal mehrere Tage nicht auf dem Pott gewesen sein, ist das Risiko zu verkacken vergleichbar mit dem Versuch mit einem Einrad auf einem Hochseil den Grand Canyon zu überqueren.

Heute hat es also C erwischt. Aber zum Glück hat sie zum Geburtstag, den wir vor zwei Wochen traditionell mit Freunden am Lake Tahoe gefeiert haben, eine potente und nagelneue Klobürste geschenkt bekommen: den Commander in Crap. Ähnlichkeiten mit lebenden Person sind natürlich rein zufällig, wobei ich an diese Stelle darauf hinweisen möchte, dass wir Montag Presidents Day und damit Feiertag haben. Jedenfalls lieferte der Commander gute Dienste und war zusammen mit dem Pömpel in der Lage, das Malheur zu beseitigen. Da sind wir nochmal haarscharf an einer Katastrophe vorbei geschrammt. Zu irgendwas ist der Commander in Crap also doch gut. Wie wir alle wissen, hat er seine nicht immer sauberen Finger ja eh überall im Spiel.

2 – Kundenzufriedenheit

Diese Woche haben wir endlich die bundesstaatliche Förderung für unsere Hausbatterie überwiesen bekommen—sprich, der Scheck ist also mit der Post unterwegs zu uns. Damit endet ein mehrjähriges Projekt mit einer Solarfirma aus LA, die uns zuerst einen neuen Sicherungskasten, dann Solar aufs Dach und schlussendlich die Tesla-Batterie installiert hat. Und dabei hat diese Firma uns vor allem eines gekostet: Nerven.

Sicher, sie waren stets bemüht, aber an Chaos kaum zu überbieten. Die linke Hand wusste nie, was die rechte tat. Ständig wurden Abnahmetermine versäumt, Arbeiten nicht richtig erledigt oder unsere Anfragen wochenlang nicht beantwortet. Irgendwann hatte ich den Chef an der Leitung, aber selbst das half nur kurzzeitig. Aus Ärger wurde Frustration, dann übernahmen wir die Projektleitung, um wenigstens eine Aussicht auf Erfolg zu haben. Am Ende, stritten wir uns natürlich ums Geld. Wir weigerten uns, die letzte Rate zu bezahlen bevor die gesamte Anlage abgenommen war. Jetzt ist es also soweit: Wir sind durch mit LA Solar, und wir sind quitt.

Umso größer war unsere Überraschung, als plötzlich eine Email mit der Bitte um Feedback kam. Wir mögen doch bitte eine gute Bewertung bei Yelp hinterlassen. Schließlich sei nichts so wertvoll wie zufriedene Kunden, die einen weiterempfehlen. Das belohne man dann auch gerne mit einer $500 Prämie. Also, da biste erstmal baff. So viel Ignoranz und Unvermögen hätte ich nicht mal dieser Firma zugetraut. C bemerkte trocken: „Die sollten uns mal lieber $500 anbieten, damit wir keine Bewertung abgegeben, bei Yelp“. Na gut, Schwamm drüber. Man kann sich nicht über Alles im Leben aufregen. Mit dieser Firma mache ich sicherlich nie wieder Geschäfte, aber jetzt freue ich mich erstmal auf den Scheck aus unserer Bundeshauptstadt.

1 – Radtour

Der Frühling ist in Kalifornien eingekehrt. Strahlender Sonnenschein und Temperaturen zwischen 17°C und 21°C lassen einen vergessen, dass Januar und Februar eigentlich Regen bringen sollten. Stattdessen werden die Jacken eingepackt und die Fahrräder ausgepackt.

C hat seit einigen Wochen ein neues Fahrrad. Und seit letztem Wochenende ist es 100% fahrbereit. Es begann damit, dass wir bei Brilliant Bikes ein Rad bestellt haben. Das Rad war zwar recht günstig, wartet aber mit einem Carbon-Riemenantrieb und einer 3-Gang-Nabenschaltung auf. Vor allem der Riemenantrieb ist der letzte Schrei—komplett wartungs- und fettfrei. Wie hier in den USA üblich, ließ aber die weitere Ausstattung zu wünschen übrig. Daher bestellten und montierten wir Schutzbleche, Gepäckträger und sogar den Ständer selber. Auf unserer letzten Deutschlandreise hatte ich bereits ein ganzes Vorderrad mit Nabendynamo mitgebracht (wer mitdenkt, gewinnt). Der Dynamo alleine hätte uns hier mehr gekostet! Komischerweise sind die Amis noch nicht auf den Trichter gekommen, dass Nabendynamos der Hit sind—effizienter als Felgendynamos und man muss nie die Batterien wechseln. Egal, letztes Wochenende haben wir alles montiert und nun hat C ein richtig schickes, alltagstaugliches Rad.

Und da heute das Wetter so gut war, hat sie gleich mit ihrem neuen Drahtesel einen Ausritt unternommen. Und dabei war sie so glücklich, über die Schaltung, die richtig funktioniert, die Lichtanlage mitsamt Standlicht und den Riemenantrieb, dass ich mich richtig mit ihr gefreut habe und sofort beschloss, dass zum Thema des heutigen Blogeintrags zu machen. Ihr altes Walmart-Rad, das wir vor 4 Jahren für $150 gekauft hatten, hat C kurzerhand an eine italienische Doktorandin für $80 verkauft. So hat die sich eben auch noch gefreut, als sie in Richtung Sonnenuntergang davon geradelt ist.

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