Die Letzte Etappe

Nach einer ruhigen Nacht in Vogelsang mussten wir uns langsam damit anfreunden, den Rückweg nach Tuolumne Meadows anzutreten. Auch am vierten Tag waren unsere Füße in bester Verfassung. C hatte eine Blase an der Ferse, die durch ein zu stark klebendes Blasenpflaster etwas aufgerissen war, sie aber beim Wandern nicht weiter behinderte. Wir hatten uns für die längere Route zurück entschieden, vorbei an den Evelyn und Ireland Lakes in Richtung Lyall Canyon. Dort würden wir auf den legendären PCT (Pacific Crest Trail) treffen und auf ihm zurück nach Tuolumne Meadows wandern. Diese Route war ein Umweg, aber wir fühlten uns stark und hatte keine Sorge davor, die Wanderung mit einem 12 Meilen Tag abzuschließen.

Beim Frühstück fanden wir erstmal keine freien Plätze vor – das nette aber hier in Vogelsang eindeutig verpeilte Team hatte einfach zu wenige Teller eingedeckt. Hungern mussten wir trotzdem nicht. Wir bekamen unsere Pfannkuchen und Würstchen genauso wie alle andern. Obwohl wir es nicht eilig hatten, ging es danach ruckzuck: Zähne putzen, Sachen fertig packen, mit Sonnencreme einschmieren und los ging es. Etwas mehr als 1500 Fuß (gut 760 Meter) galt es hinab zu steigen. Erstmal ging es zu unserer Überraschung allerdings leicht aber stetig bergauf. Die erste Stunde wanderten wir über das Hochplateau, bis wir endlich den Pass erreicht hatten. Danach ging es nur noch bergab. C übernahm wieder die Führung und machte ordentlich Tempo. Fast wie beim Skifahren setzten wir unsere Stöcke ein und schossen die Serpentinen hinunter. Jetzt, am vierten Tag, wussten wir genau was wir uns zutrauen konnten und wie schnell unsere Beine uns tragen würden. Nach einer guten Stunde hatten wir den Abstieg geschafft und kreuzten den PCT. Nachdem die letzten Tage unterwegs ziemlich einsam gewesen waren, kamen uns nun immer mehr Wanderer entgegen. Ganz klar, wir näherten uns wieder der Zivilisation.

Außerdem war die Hitze deutlich spürbarer als in Vogelsang, weswegen wir uns gegen Mittag am Fluss ein nettes Plätzchen suchten, um unsere Sandwiches zu essen und die Füße ins Wasser zu halten. Wehmut machte sich breit. Wir waren weniger als 2h vom Ende unserer Wanderung entfernt. Schade, unseretwegen hätte es noch eine Weile so weitergehen können. Zurück auf dem Pfad ließ die Motivation dann dementsprechend nach. Die Sonne brannte und der Weg zog sich. Dann erreichten wir eine Gabelung und ein Schild zeigte an: nur noch 1,8 Meilen. Kurz darauf überquerten wir eine Brücke und es wimmelte nur so von Menschen, die hier im Fluss badeten. Welch ein Kontrast zu uns, mit unseren verdreckten Klamotten und staubigen Stiefeln. Wir ließen den Trubel hinter uns und erreichten bald die Tuolumne Lodge – ein Zeltcamp wie die anderen High Sierra Camps, aber als einziges mit dem Auto zu erreichen. Weiter, immer weiter und dann sahen wir sie, die Bushaltestelle an der alles angefangen hatte. Ich verlangsamte mein Tempo, C schloss auf und zusammen liefen wir über die Ziellinie. Wir klatschen ab, fielen uns in die Arme und genossen den Moment, an dem uns klar wurde, dass wir 40 Meilen (64 km) in vier Tagen gelaufen waren – und einfach so weiter machen könnten, wenn wir nicht am morgigen Tag würden arbeiten müssen. Das Leben hat so viel zu bieten, man muss einfach die Gelegenheiten ergreifen und sich immer wieder etwas neues zutrauen!

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