Tesla

Seit Montagabend steht ein Tesla Model S in unserer Einfahrt. Unser Tesla. Perlweiß, 75 Kilowattstunden Batterie, Doppelmotor (Allradantrieb). Nagelneu. Und wir sind begeistert.

Nachdem Präsident Trump, zwei Worte, die immer noch so klingen, als würden sie niemals zusammen passen, den Klimavertrag von Paris aufgekündigt hat, haben wir beschlossen, selber ein Zeichen zu setzen – mit einem Elektroauto und Solar auf unserem Dach. Wir haben zwar die wahrscheinlich niedrigste Stromrechnung in Berkeley, aber manchmal muss man auch einfach aus Prinzip handeln. Seit vier Jahren träume ich von einem Tesla. Daher kam als Elektroauto auch nichts anderes in Frage. Auf das Model 3 hätten wir noch ein gutes Jahr warten müssen, also haben wir einfach ein Model S bestellt – neu, da diese Modelle einen so geringen Wertverlust haben, dass wir ihn in drei Jahren immer noch gut verkaufen können.

Nach einem Nachmittag bei Tesla war ziemlich klar was wir wollten: 75D, Premiumpaket, Schiebedach und natürlich den Autopilot. Unser Tesla ist mit vier Kameras und 12 Ultraschallsensoren ausgestattet. Innerhalb der nächsten zwei Jahre soll er autonom fahren (dann müssten wir noch einmal ein paar Kameras nachrüsten). Heute hält er die Spur, bremst und beschleunigt automatisch. Man kann getrost die Hände für ein paar Minuten vom Lenkrad nehmen – der Computer übernimmt. Rückwärts einparken kann er angeblich auch. Wir haben es aber noch nicht probiert. Davon abgesehen gibt es alle zwei bis drei Wochen ein Softwareupdate – per Mobilfunk. Das Auto wird also mit der Zeit immer besser. Das kann derzeit kein anderer Hersteller. Der Akku ermöglicht eine Reichweite von ca. 230 Meilen oder 370 km bei 90% Ladung. Um die Batterie zu schonen, empfiehlt Tesla, dass man nur in Ausnahmefällen zu 100% laden soll. Das Model S hat einen riesigen 17″ Touchscreen in der Mittelkonsole, über den alles gesteuert wird – vom Radio zur Belüftung. Außerdem ist das Cockpit voll digital mit einem kleineren TFT ausgestattet. Google Maps übernimmt die Navigation. Die Karten sind ständig auf dem neuesten Stand. Hightech pur. Außerdem gibt es eine App für das Auto, mit der man das Schiebedach schließen, den Ladezustand überwachen und den Standort des Wagens in Echtzeit abfragen kann. Und sollte ein Parkplatz einmal so eng sein, dass man nicht mehr aussteigen könnte, kann man das Auto per App einfach vor- und zurücksetzen lassen. Hupen kann man auf per App. Irre.

Wir sind hellauf begeistert. Das Model S ist extrem in jeder Hinsicht: teuer, extravagant und völlig aus Zurück in die Zukunft gegriffen. Die Beschleunigung ist unfassbar. In nur 5,2s schafft man es aus dem Stand auf 100km/h. An der Ampel kann niemand mithalten, weder auf zwei noch vier Rädern. Mit einem Nebeneffekt des Autos habe ich allerdings nicht gerechnet. Die ersten drei Tage hatte ich Herzklopfen, denn mit so einem Auto steht man überall im Mittelpunkt. Meine Arbeitskollegen, selbst die, denen ich nichts gesagt hatte, wollten Fotos sehen, alles wissen. Hinter vorgehaltener Hand wurde getuschelt und mehrfach wurde mit gesagt: “Toll, Ihr habt es geschafft”. C und ich hatten beide das Gefühl, dass wir plötzlich mit anderen Augen gesehen werden – dabei fühlen wir uns nicht anders als vorher. All das hatte ich unterschätzt und es lastete auf mir. Aber mittlerweile geniesse ich unseren Tesla einfach. So ein Auto kauft man nicht alle Tage. Und er steht uns beiden auch ganz gut!

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