Die Gewissensfrage

Als ich mir heute unseren Strafzettel noch einmal genau angesehen habe, viel mir auf, dass das Nummernschild falsch notiert wurde. Genauer gesagt fehlt eine Ziffer. Nichts können die Bullen hier richtig machen. Naja, besser als mal wieder jemanden zu erschießen. Jetzt weiß ich nicht, ob ich mich ärgern oder freuen soll, denn nun habe ich die Qual der Wahl. Lasse ich es darauf ankommen, dass die Bullen kein Foto gemacht haben und daher unsere Adresse nicht bestimmen können? Oder zahle ich die $43 um mir darüber keine Gedanken mehr machen zu müssen. Es steht zu befürchten, dass unsere Fahrgestellnummer notiert wurde – zumindest die letzten 4 Ziffern sind auf dem Strafzettel abgedruckt. 20 Tage haben wir jetzt noch Zeit. Für C ist die Sache schon jetzt klar. Was meint Ihr?

Mission Peak und Sake

Was haben Wandern und Sake gemeinsam? Eigentlich nichts, aber man kann beides an einem Sonntag gut miteinander verbinden. Zum Beispiel mit einer Wanderung auf den Mission Peak in der South Bay. Der Frühling ist im Anmarsch in der Bay Area – und mit ihm die Wildblumen. Dieses Jahr ist Kalifornien ganz und gar nicht der Golden State. Die Hügel um die Bay Area herum erstrahlen in einem saftigen grün und erinnern mehr an Neuseeland als an das typische kalifornische goldbraun.

Nach einer knappen Stunde Fahrt mussten wir erstmal einen Parkplatz ergattern, denn offenbar hatten alle Inder und Chinesen an diesem Sonntagmorgen den gleichen Einfall. Wir waren allerdings besser vorbereitet, mit Wanderstiefeln, -stöcken und ausreichend Wasser. Seit unseren 4 Tagen im Yosemite waren wir nicht mehr groß gewandert und wussten nicht so recht, wo wir standen. Als es dann aber losging, war alles wie immer: Bergziege C zog uns in hohem Tempo den Berg hinauf, vorbei an den Menschenmassen, die ebenfalls den Gipfel erklimmen wollten. So ungefähr muss es am Everest sein! Nur ein durchtrainierter Paraglider ließ uns stehen, alle anderen Wanderer machten höflich Platz. Unser Wanderführer hatte 4h für 7 Meilen Rundweg vorausgesagt – nach 1,5h waren wir am Gipfel. Dort standen ca. 30 Chinesen und Inder an, um sich fotografieren zu lassen. Nein danke, wir machten lieber etwas abseits Rast und aßen unsere Brote. Für den Abstieg wählten wir dann eine andere Route, auf der wir kaum auf andere Menschen trafen. Anstatt der vielbegangenen Autobahn, die wir hinauf genommen hatten, stiegen wir auf einem schmalen Pfad hinab, stoppten immer mal wieder, um uns Wildblumen und eine Gruppe wilder Truthähne anzusehen und waren nach weiteren 1,5h wieder am Auto. Dort erwartete uns allerdings eine böse Überraschung: ein Strafzettel. Ich war etwas zu weit in den schrägen Parkplatz hineingestoßen und die Motorhaube unseres Vans stand einen guten Meter in den Parkplatz gegenüber hinein. $43 Verwarnung wegen parken auf zwei Stellflächen. Aha, das Geld hätte ich mir auf sparen können. Aber glaubt mir, Freunde, ich war keineswegs der einzige, den es an diesem Tag erwischt hat.

Zurück in Berkeley vertrieben wir uns noch etwas die Zeit mit Kaffee, Kuchen und etwas Gartenarbeit, bevor wir dann um 17:00 Uhr zur örtlichen Sake-Brauerei fuhren, um Sake zu probieren. Man glaubt es kaum, aber dort wird, natürlich etwas moderner, traditioneller Japanischer Reiswein hergestellt. Drei Japanerinnen erklärten uns die Unterschiede zwischen Junmai (schwach polierter Reis) und Ginjo (stark polierter Reis, premium Sake) bevor wir dann probieren durften. Für $5 gab es dann allerhand zu kosten: trockener, süßer, unfiltrierter und schließlich mit Kaffee, Lychee und Pflaume versetzter Sake. Ich muss sagen, dass ich den leicht süßlichen Ginjo und den unfiltrierten Junmai am besten fand – und nach der Sake-Probe ordentlich einen in der Krone hatte. Den Kaffee-Sake konnte man vergessen. Das ist nicht mehr als ein Modegetränk. Immerhin haben wir viel über Reiswein gelernt und sind nebenbei noch auf den Geschmack gekommen – wie die drei neuen Flaschen in unserer Hausbar beweisen. Wandern uns Sake, das passt doch gut zusammen!

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