Berlin TXL International

Zwei Wochen Berlin sind vorüber, es geht zurück nach San Francisco. Wir sind rechtzeitig am Flughafen und wollen schnell am Schalter A11 die Koffer aufgeben. C ist Star Alliance Gold Mitglied und stellt sich in die Business Class Schlange. Wir kommen dran. Die Dame am Schalter schaut uns verständnislos an: “Schauen sie mal, was da oben steht”. C: “Wie bitte?”. Sie: “Schauen sie mal und lesen sie. Wir machen hier Check-In für Austrian nach Wien, nicht Lufthansa nach München. Der Nächste bitte!”. Es ist ja eine Sache, dass der Check-In 90 Minuten vor dem Start noch nicht geöffnet ist, aber muss das so unverschämt kommunizieren? Wir drehen eine Runde, warten bis die Wien-Crew abtritt und die Lufthansa Mädels übernehmen. C sagt der Wienerin die Meinung. Die Wienerin schmollt. 

Also wieder in die Business-Schlange, wo niemand ansteht. Wozu hat man denn Gold-Status? “Entschuldigen Sie”, spricht uns eine Lufthansa-Mitarbeiterin an, “das ist die Schlange für Geschäftsreisende, nicht dass sie sich falsch anstellen”. Was? Dafür habe ich mir extra ein gebügeltes Hemd angezogen und die Haare schön (seriös) gemacht? “Danke, ich habe Gold-Status”, gibt C zurück. “Achso, dann ist ja gut”, meint die Lufthansa-Service-Dame und zieht von dannen. Am Schalter sitzt jetzt Irina und begrüsst uns gleich standesgemäß: “Sie haben Business gebucht, ja?” Als sie die Goldkarte gezeigt bekommt, hält sie den Mund, aber ihre Laune bessert sich nicht – der Service leider auch nicht.

In München angekommen suchen wir als erstes die Senator Lounge auf. Mit der Goldkarte kann man nämlich auch Gäste (mich) mitnehmen. Dort gibt es Spargelcrèmesuppe und Leberkäse mit Kartoffelsalat zum Mittag. Ein letztes Mal deutsches Essen. Apropos, die Anzugträger sind übrigens eindeutig in der Minderheit. Die Asiaten tragen Polos, die Engländer Jeansjacken und die Deutschen bringen ihre Familien mit. Offenbar hat man das am Flughafen Berlin Tegel International noch nicht mitbekommen!

Salt Point Camping

Letztes Wochenende waren wir endlich mal wieder campen, nördlich von Bodega Bay, im Salt Point State Park. Dort gab es nur 30 Stellplätze und keinen Handyempfang. Die Nächte waren kühl aber sternenklar – so klar und so voller Sterne, wie ich den Himmel schon sehr lange nicht mehr gesehen habe. 

Am ersten Morgen inspizierte C die Nachbarn. “Das sind Wikinger, alle beide”. Ich machte mir selber ein Bild und tatsächlich, Vater und Sohn hatten rote Haare und lange rote Bärte. Eindeutig Wikinger. Bisher war ich immer der Meinung, dass die kalifornische Küste eindeutig zwischen Monterey und Carmel am schönsten sei. Allerdings musste ich bei unserer Wanderung bei strahlendem Sonnenschein feststellen, dass der Küstenabschnitt nördlich von Bodega Bay mindestens genauso viel zu bieten hat. Schroffe Felsen, rauer Wind, tosendes Meer und Wildblumen, die dem Ganzen Farbe verliehen – einfach atemberaubend und wunderschön. Wir kletterten bei Ebbe an der Küste entlang, auf der Suche nach Muscheln, Seesternen und Anemonen. Nach der Wanderung stellten wir uns unter die Campingdusche, kochten und waren früh im Bett.

Am nächsten Morgen kam der Wikinger-Vater vorbei, als wir gerade beim Frühstück waren. Seine Frau habe ihnen so viele Eier eingepackt, dass sie zwar wie die Scheunendrescher gegessen hätten, aber noch immer 4 frische Eier übrig seien – von seinen eigenen Hühnern versteht sich. Typisch Amerikaner. Man kommt einfach immer ins Gespräch und oft entpuppen sich die krassesten Rednecks als nette Kerle. Wir nahmen dankend an. Es zog uns wieder an die Küste, wo C plötzlich einen riesigen, grauen und mit Muscheln bewachsenen Grauwal entdeckte – nur knapp 150m von uns entfernt. Weiter südlich in Bodega Bay, wo es einen hübsche Langzunge gibt, sahen wir dann weitere Grauwale, sogar mit Kälbern. Und so fehlte nur noch eines zum perfekten Wochenende: wir gönnten uns Krebssandwiches, Clam Chowder und Crabcakes beim nahegelegenen Imbiss, bevor wir zurück nach Hause fuhren.

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