7 – Zurück in Granada

Zwei Tage Ometepe haben uns gereicht. Heute geht es zurück nach Granada. Aber zuerst muss C sich eine Zecke aus dem Fuß drücken – das Unglück mit dem Viechzeug bleibt ihr hold. Nach dem Frühstück geht’s los. Wir teilen uns ein Taxi mit Beth und Pete, die schon zum 3. Mal für ein paar Monate durch die Welt reisen. Und die beiden sind jünger als wir! Nach 1h Fahrt sind wir pünktlich um 10 Uhr auf der Fähre, die dieses Mal kein Seelenverkäufer ist. Dementsprechend schnell ist die Überfahrt, die wir an Deck mit Blick auf Ometepe verbringen. 

Am Hafen will man uns wieder überteuerte Taxis andrehen, aber wir beschließen, den bereits wartenden Bus nach Masaya zu nehmen. In Nicaragua muss man flexibel sein, damit fährt man besser. Leider werden wir abgezockt – die späte Rache des Tourismusbeamten, dessen Taxi wir nicht wollten. 50 Córdobas ($1.84)? Pro Person? Dafür kann ich ja nach Costa Rica fahren. In Masaya warten wir nur wenige Minuten auf Anschluss und nach 5h Reise erreichen wir Granada. Wir verabschieden uns von Beth und Pete und checken wieder im vertrauten Hotel La Pergola ein – C’s Reservierung per Email durchgekommen. Den Nachmittag verbringen wir mit Lesen, Siesta und am Pool, dann gibt es einen Snack im Garden Café. Jetzt nur noch Postkarten besorgen. Das gestaltet sich als überraschen schwierig. Offenbar sind Postkarten total out. Zum Abendessen gibt es einen Falafelteller und wir sehen Beth und Pete durch die Gassen von Granada schlendern. Die Welt ist ein Dorf. Granada erst recht.

6 – Mitten in der Natur

Ganz schön gerädert wache ich auf. Irgendwie ist die Hitze nicht mein Ding. Beim Frühstück mit Omelette und Broten unterhalten wir uns mit unserer kanadischen Aussteiger-Gastgeberin. Die haben auf Ometepe vor 17 Jahren Land gekauft und dann ohne Auto und bevor die Strasse ausgebaut war, Hütten hingestellt und ihre Farm mit Ziegen, Schafen, Obst und Gemüse aufgebaut. Das ist mir zu krass… ohne Salami und richtigen Käse könnte ich so was nicht – und dann noch die Hitze!

Unser Guide Victor ist überpünktlich. Er wird uns den unteren Teil des inaktiven Vulkans Maderas zeigen. Wir wandern bergauf durch Kochbananen-Plantagen, vorbei an ein paar verfallenen, aber bewohnten Höfen und durch Mango- und Avocadohaine. Das erste Highlight sind nicht die Petroglyphen sondern die frischen Mangos, die Victor für uns vom Baum holt und die wir auf der Stelle verzehren. Unglaublich lecker, aber ich saue mich gleich richtig damit ein. Wir lernen alles mögliche über Flora, Fauna und Nicaragua. Plötzlich ändert sich die Vegetation und es wird grün um uns herum und feucht in der Luft – wir sind im Cloud Forest angekommen. Ich hatte mich noch gefragt, wie denn der Weg zum Vulkan in der Trockenzeit matschig sein kann. Jetzt sehe ich es mit eigenen Augen. In der Ferne hören wir auf einmal ein Röhren und Bellen – die Howler Monkeys, man kann sie bis zu 3 km weit hören. Und dann zeigt Victor uns auch schon einen im Baum – so ein Mordsgegröhle, da hätte ich ein größeres Vieh erwartet! Wir wandern zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man über die Ebene zwischen den beiden Vulkanen blicken kann. Der aktive Vulkan Concepción ist leider halb in den Wolken verschwunden, sonst hätte Victor vielleicht recht gehabt: der schönste Ausblick unseres Lebens.

Zurück geht es noch an einer Kaffeeplantage vorbei. Die sieht für mich etwas verwahrlost aus – aber hier macht man das so. Alles wächst querbeet. Es gibt noch einen frischen Saft und ein bisschen von Victors Lebensgeschichte zum Abschied: er ist 28 und mit 10 als Waise auf die Insel gekommen – von der Karibikküste. Jetzt ist sein zu Hause hier, er hat 3 Kinder und ist verheiratet. Einen Ring konnte er sich nicht leisten, aber er liebt seine Frau und sein Haus ist der schönste Ort auf der Insel. Ich bin immer wieder beeindruckt von der Offenheit, Herzlichkeit und dem Interesse der Leute hier in Nicaragua. Und wir Deutschen haben überall einen guten Ruf – Victor hat jetzt schon genug von den Chinesen. Wie soll das erst mit dem Kanal werden?

Am Nachmittag mieten wir Fahrräder, überholen alle andern Touristen auf dem Weg zum Ojo de Agua und erfrischen uns in der vulkanischen Quelle. Auf dem Rückweg halten wir am Strand und spazieren durch das warme Seewasser. Schon schön hier, aber viel länger muss ich nicht bleiben. Mir ist das zu weit weg von der Zivilisation. Die Mischung aus Einheimischen, Aussteigern, Touristen und magerem Viechzeug ist mir irgendwie zu trostlos.

In der Finca machen wir uns frisch für den Abend. Nach dem Duschen kriege ich fast einen Herzinfarkt: IN meinem Waschbeutel sitzt eine Kakerlake! Was zur Hölle macht die da? Warum immer ich? D rettet den Waschbeutel und mich! Er kämpft mit der Kakerlake und entsorgt sie in alter Gewohnheit im Klo. Das Klo hier hat aber leider keine Spülung, sondern ist ein Eimer mit getrockneten Reishülsen. Und ich hab Durchfall. Wie soll ich je wieder auf diese Klo gehen können? Es geht nur eins: die Kakerlake oder ich! D lässt den Deckel offen und wir gehen erstmal zum Abendessen. Das Vieh wird schon rauskommen. Das Restaurant wurde uns von Victor empfohlen, ist aber leider ein totaler Reinfall. Wir laufen durch die stockfinstere Nacht zurück zur Finca. Dank Kopflampe überfährt uns niemand. Der Sternenhimmel ist umwerfend und wir sehen sogar ein paar Sternschnuppen. Mein Wunsch geht in Erfüllung: Die Kakerlake ist nicht mehr im Klo! Na dann kann ich ja in Ruhe einschlafen.

–– C

5 – Ometepe

Aufgestanden, gepackt und Toast mit Rührei gefrühstückt. Los geht’s, denn wir haben heute viel vor. Zuerst nach Rivas (gesprochen Riba, denn das s wird hier gerne verschluckt), dann mit der Fähre zur Isla de Ometepe. Am Busbahnhof gibt es die erste unangenehme Überraschung: Zwei Klebstoffschnüffler führen uns ungefragt über einen bunten Nica-Mark zum Bus, aber der fährt erst in einer Stunde. Ich gebe trotzdem ein Trinkgeld. Expressbusse gibt es hier gar nicht. Wir hadern kurz mit unserem Schicksal, steigen dann ein und warten. Nach 1,5h geht es dann endlich los. Wir halten an jeder Milchkanne, Menschen kommen und gehen. Irgendwann gabeln wir einen Prediger auf, der gar nicht mehr aufhört zu reden. Das Interesse der anderen Fahrgäste hält sich in Grenzen und ich bin ziemlich genervt – aber niemand fällt ihm ins Wort. Kurz vor Rivas beginnt das Tauziehen um die Handvoll Touristen im Bus. Die Preise für die Taxifahrt zum Hafen fallen schnell und wir finden uns mit zwei Schweizern in einem Taxi wieder. Er, der Namenlose, erzählt von seinem Motorradkauf in Panama und 6 Monaten Reise in Zentralamerika. Er sieht auch so aus: braun gebrannt, mit Rauschebart. Am Pier trennen sich unsere Wege: Die Schweizer marschieren schnurstracks auf den Kahn nach Moyogalpa – ohne ein Wort des Abschieds. Die Welt der Backpacker ist schnelllebig.

Wir dagegen wollen auf den Südteil von Ometepe und besteigen einen anderen Seelenverkäufer. Es herrscht ordentlich Wind und auf dem riesigen See haben die Wellen Schaumkronen. Dennoch kommen nach knapp 2h Überfahrt direkt neben dem stinkenden und lärmenden Dieselmotor sicher an. Dort wartet auch unser Taxi, das wir vor der Abfahrt noch bei einem Tourismusbeamten (hüstel) klar gemacht hatten. Die Fahrt zu unserer Hütte auf der Finca del Sol geht zügig. Die kanadische Gastgeberin ist nett, die Unterkunft einfach, aber schick. Von unserer Terrasse aus haben wir einen tollen Ausblick auf den noch aktiven Vulkan Concepción. Es herrscht eine angenehme Brise, dennoch ist die Nacht heiss und kurz. 

5 – Biolärm

Vor Sonnenaufgang ist plötzlich Krieg im Papageienkäfig. Gestern Abend hatten die schönen Aras alle brav den Kopf unter die Flügel geklemmt und lediglich eine vorlaute Gans quakte hin und wieder. Aber jetzt klingt es nach Papageienmassaker. Schlichten gehen? Nein, lieber Ohrstöpsel rein und weiterschlafen.

Wir stehen trotzdem um kurz vor 8 Uhr bereit zum Frühstück. Es ist wolkig in der Vulkanlagune und sogar ein paar Tropfen fallen. Frühstück ist ok, ein Kännchen Milch zum (dünnen) Kaffee kostet extra – aber ich handele den Preis bei der netten Paola noch ein bisschen runter. Wir brechen auf und laufen den Weg hoch zur Straße. Unser Taxi ist pünktlich wie ein schweizer Uhrwerk. Es soll uns nur aus dem Krater hoch zur Landstraße bringen, aber ich habe noch nie in einem Auto gesessen, das so im Arsch ist! Mühsam kämpfen wir uns den Berg hoch und kurz vor dem Ziel bietet der Fahrer uns dann an, uns bis nach Granada zu fahren. Warum nicht? In Nicaragua muss man seine Pläne auch mal ändern können! Wir schlagen ein, er montiert kurzerhand das Taxi-Schild vom Dach (gäbe Ärger mit der Polizei, da er nur für Masaya zugelassen ist) und im Nu sind wir vor unserem Hotel. Was für eine kurze Reise. Unser ist Zimmer ist vor 10 Uhr noch nicht bezugsfertig, also machen wir einen Stadtrundgang. Heute ist Kinder-Kirchenfest mit Gesang und Prozession. D macht Fotos von den adrett in Schuluniform gekleideten Jungs und Mädels und kitschigen Madonnen Statuen. Ich versuche mir die Straßenverkäufer vom Leib zu halten. Irgendwie fällt mir das heute nicht leicht. Wir trinken Kaffee und haben uns irgendwie an der Lagune den Magen verdorben – wurde ja auch langsam Zeit.

Gegen Mittag geht’s mit Chips und Cola ins Hotel, gemütlich hier, mit Innenhof und Pool. Die Klimaanlage geht auch – Zeit für Siesta! Nachmittags schauen wir noch ein paar Kirchen an, kaufen beim Aussteiger-Bäcker ein Foccaccia und Küchlein ein und laufen hinunter zum Seeufer. Hier ist außer Müll, Fliegen und einer brüchigen Seebrücke nichts zu holen. Der See ist allerdings riesig! Beim Fähranleger hängt ein Plan, der allerdings die lokalen Baseballspiele anzeigt und nicht, wie erhofft, den Bootsfahrzeiten. Wir sind nicht angetan von diesem Ort, der eigentlich so schön sein könnte, und laufen nach unserem Snack zurück in die Innenstadt. Im Hotel machen wir uns frisch und hängen das Moskitonetz auf. Ohne geht’s nicht mehr! Beim Heraussuchen einer Unterkunft für die nächste Etappe zur Isla de Ometepe werden wir von einem plötzlichen Stromausfall überrascht. Die ganze Stadt ist dunkel. Die ganze? Nein, vom Hotelausguck sieht man: im Baseballstadion ist Festtagsbeleuchtung. Mit Kopflampe und Handys bewaffnet gehen wir zum Italiener, denn heute soll es Pizza geben – die beste der ganzen Stadt, hat D recherchiert. Das Licht geht wieder an bevor wir sitzen. Die Pizza ist ganz gut, alles voller Touristen hier. Uns ist klar: Granada führt ein Doppelleben – eins für Touristen und eins für Nicas.

–– C

4 – Reisetag

Die Nacht in León war ruhig und kühl, aber C entdeckt am nächsten Morgen unzählige neue Mückenstiche an ihren Beinen. Wir beschließen, ab jetzt nur noch mit Mückennetz zu schlafen. Das Frühstück im Hotel ist vorzüglich, dennoch meckern die Deutschen am Nachbartisch über die Kochbananen: “Das kann ich jetzt aber nicht essen”. Haben die Ossis sich auch nach 25 Jahren immer noch nicht an Bananen gewöhnt? Die nette, Deutsch sprechende Rezeptionistin ruft uns ein Taxi zum Nica-Preis und auf geht es zum Busbahnhof. 

Dort herrscht der reinste Trubel. Es gibt keinen Fahrplan und keine Fahrkarten. Man stellt sich einfach in die Schlange und wartet. Alle 15 Minuten kommt ein Bus nach Managua. Wir beobachten das Treiben und staunen. Besonders erfreuen uns diverse Betten, die auf Bussen und Pferdekarren transportiert werden. Dann steigen auch wir ein, mit dem Ziel Managua. Die Fahrt geht schnell, denn unser Fahrer überholt mit seinem Expressbus wo er kann. Und er kann fast überall. Ein paar Mal halte ich den Atem an, aber alles geht gut. Als wir ankommen geht es ruck zuck. Raus aus dem Bus, in die Fänge der Fahrer nach Masaya. Innerhalb von Minuten sitzen wir im nächsten Bus. Bei der Deutschen Bahn wartet man länger! Auf geht’s, diesmal nicht ganz so express: Unser Bus hält wo die Passagiere wollen und sammelt an der Straße auch immer wieder neue ein. In Masaya sind wir bereits ausgestiegen, als C dem Schaffner (Busfahrer und Schaffner arbeiten zusammen, wobei der Schaffner die Tür öffnet, neue Passagiere anwirbt und natürlich kassiert) unser eigentliches Ziel mitteilt: Laguna de Apoyo. Daraufhin signalisiert dieser uns schleunigst wieder einzusteigen – und weiter geht’s. An einer Nebenstraße ist dann endgültig Schluss. Ein Taxi bringt uns die letzten Kilometer hinein in den Vulkankrater von Apoyo, in dem sich ein See befindet. Dort erwarten uns herrliche Natur, ein hübscher Bungalow und ein tolles Resort. Wir gehen schwimmen und entspannen auf unserer eigenen Terrasse. Abends gibt es Fisch und Schrimps und außer Ute und Anja sind wir (fast) die einzigen Gäste. Zum Nachtisch gibt es Cheesecake und Rittersport, die vorher im Kühlschrank wieder in den festen Aggregatzustand überführt wurde. Dem Paradis sehr nahe schlafen wir ein – unter unsere Moskitonetz.

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