Heute im Buero

Kennt Ihr die Serie Silicon Valley? Dort geht es natürlich um ein paar Programmierer, die eine Firma gründen, um das Silicon Valley aufzumischen – voll die Nerds. Die Folgen sind mal mehr, mal weniger lustig. Beklemmend ist allerdings, wie treffsicher die neuesten Trends in Kalifornien aufs Korn genommen werden – einer nach dem anderen. Egal, ob es um Birkenstocks (voll in), vegan sein (voll in), zwei Stunden nach der Geburt wieder im Büro sitzen, oder Elektrofahrzeuge geht, die Pointen sitzen. Ich frage mich immer, wie Menschen, die nicht hier in der Gegend wohnen, diese Geschichten finden. Die müssen doch denken: “Das kann nicht wahr sein, das ist doch total übertrieben”. Aber nein, es ist alles wahr. Ohne Frage, wir leben hier in einer Blase, einer alternativen Realität.

Nehmen wir nur ein Beispiel aus meinem Arbeitsleben. Ich unterhielt mich heute mit meinem Kollegen Dave, der sich am Wochenende mit einem gemeinsamen Freund getroffen hatte, der gerade eine Auszeit macht. “Mensch, der Typ ist voll glücklich und meinte, er würde am liebsten nie wieder etwas anderes machen als dies und das”, meinte Dave. Ich entgegnete, “Was würdest Du denn machen, wenn Du in Rente wärst? Vielleicht schon mit 50?“ Er: “Wie mit 50? Mit $50 Millionen meinst Du?“ “Nein”, entgegnete ich, “mit 50 Jahren.“

Wer führt denn bitte solche Gespräche im Büro? Ist das noch normal? Ehrlich, ich weiß es nicht mehr.

Marlon Bundo

Selbst in diesen Zeiten des politischen Chaos in den Vereinigten Staaten von Amerika gibt es noch Geschichten, die einen zum Schmunzeln bringen. Zum Beispiel die von Marlon Bundo.

Marlon Bundo ist der Hase der Familie von Mike Pence, dem erzkonservativen Vizepräsidenten der USA. Dieser Hase hat einen eigenes Instagram-Konto und haufenweise Fans. Er ist außerdem als BOTUS (Bunny of the United States) bekannt. Vor ein paar Wochen ist zudem noch ein Kinderbuch erschienen: Marlon Bundos Tag im Leben des Vizepräsidenten – geschrieben von Pences Tochter und illustriert von seiner Frau. Soweit so gut, jetzt wird es lustig.

C und ich sind große Fans von John Oliver und seiner Show Last Week Tonight auf HBO. Dort sind jeden Sonntagabend Lacher garantiert. Hin und wieder zieht John Oliver hanebüchene Aktionen durch, z.B. ersteigert er miserable Wachsfiguren von ehemaligen Präsidenten oder legt sich anderweitig mit der politischen Elite an. Und das bringt uns nun wieder zu Marlon Bundo. Mike Pence ist nicht nur dafür bekannt, streng bibeltreu zu sein, sondern ebenso berüchtigt für seine Homophobie. Irgendwie hatte John Oliver herausbekommen, dass besagtes Kinderbuch über Marlon Bundo erscheinen würde, also haben er und sein Team kurzerhand ein eigenes geschrieben. Ein Tag im Leben des Marlon Bundo handelt von einem schwulen Hasen, der sich unsterblich in einen anderen Hasen verliebt und diesen heiraten möchte. Dummerweise gibt es im Tierreich allerdings einen Stinkkäfer, mit dem Gesicht von Mike Pence, der etwas gegen Alle hat, die anders ist. Der Rest der Geschichte sei hier nicht verraten, wohl aber, dass John Oliver seine Zuschauer dazu aufgerufen hat, das Buch zu kaufen, damit es auf der Amazon-Bestsellerliste vor dem Original geführt werde. Und da sämtliche Einnahmen aus dem Verkauf des Buchs an gemeinnützige Organisationen gespendet werden, konnten wir natürlich auch nicht widerstehen. Und tatsächlich, der falsche Hase stahl dem richtigen die Show. Seit Wochen ist es in den Amazon-Top-10 und es hat das “Original” lange hinter sich gelassen.

Es ist nicht überliefert, ob sich Mike Pence geärgert hat oder wie viele bibeltreue Christen sich bei Amazon vergriffen haben – und ein Kinderbuch über einen schwulen Hasen bestellt haben. Seine Tochter, die Autorin des ersten Buchs, nahm es allerdings sportlich. Sie habe das Buch von John Oliver ebenfalls bestellt. Es sei ja auch für einen guten Zweck. Und so hatten wir alle unseren Spaß.

Atlanta

Gerade rechtzeitig zu Ostern bin ich von meiner einwöchigen Dienstreise nach Atlanta zurückgekehrt. Selten habe ich mich so auf Nudeln, Salat und Gemüse gefreut. Im Süden gibt es an jeder Ecke Fried Chicken paniertes und dann gebratenes Huhn. Ja, das ist ja auch lecker, aber etwas frisches dürfte eben auch mal dabei sein. Anstatt Euch mit den Details meiner Arbeit zu langweilen, erzähle ich lieber von unserem Wochenende in Nashville und dem Chaos meiner Abreise.

Ach, wie schön waren die Zeiten, als wir direkt am Flughafen SFO gewohnt haben. 5 Minuten zum Terminal, nie zu spät – großes Planen war nicht notwendig (nein, ich habe den Fluglärm nicht vergessen). Am Tag der Abreise habe ich mich nämlich verplant und nicht genug Zeit eingerechnet. Dazu kam dann noch eine Bart-Störung und plötzlich wurde es eng. In San Bruno sprang ich dann in ein Lyft (Taxi) und ließ mich zum Terminal fahren. Die Schlange an der Sicherheitsüberprüfung war, wie es natürlich nicht anders sein kann, wenn man eh zu spät ist, auch kein Pappenstiel – obwohl ich schon in der Expressschlange war. Jetzt schnell Jacke aus, alles aufs Band und durch den Nacktscanner. Auf der anderen Seite alles wieder angezogen und im Laufschritt Richtung Gate, wo meine Kollegen schon am Einsteigen waren. Beim Laufen bemerkte ich, dass meine Jackentasche offen war. Und dort, wo mein Ausweis sein sollte, was… nichts. Scheiße. Auch das noch. Ausweis weg, Boarding gleich zu Ende, was nun? Ich stürmte ins Flugzeug, fand Platz für mich und mein Handgepäck und fing an, mich zu ärgern. Total unnötig, diese ganze Aktion. Wäre ich nur eine halbe Stunde früher aus dem Haus gegangen. Hätte ich nur – Ihr kennt das ja. Plötzlich stand ein Mitarbeiter vom Flughafen an meinem Platz. “Herr J? Hier ist Ihr Ausweis.” Ich war baff. Er hatte tatsächlich meinen Ausweis aufgelesen, nachgeschaut, auf welchen Flug und Platz ich gebucht war und mich ausfindig gemacht. Wow, das nenne ich mal Service. Und ich hatte nicht mal ein Trinkgeld parat!

Atlanta an sich war dann anstrengend aber auch lustig – wie das eben so ist, wenn man mit Kollegen unterwegs ist und es viel zu tun gibt. Unsere Reise dauerte von Dienstag bis Mittwoch die Woche drauf. Daher entschlossen wir uns, übers Wochenende nach Nashville zu fahren, um etwas Abwechslung in die Reise zu bringen. Die Fahrt dauerte 4h, inklusive Mittagspause in Chattanooga (Choo choo). Leider war es das ganze Wochenende über regnerisch und eher kühl, aber Nashville war dennoch eine Reise wert – super hip, überall live Musik, Blues und Country-Atmosphäre aber nicht altbacken. Wir machten eine Kneipentour, aßen Hot Chicken (Fried Chicken extra scharf) und schauten am Sonntag nach dem Frühstück noch beim Guitar Center vorbei. Die lokalen Musikläden waren leider geschlossen (danke, Jesus). Dennoch, ich fand dort eine unglaubliche Gibson Les Paul, 57er VOS (vintage original specification) Goldtop, gebraucht, Baujahr 2006. Wunderschön verarbeitet, fetter Hals, toller Klang. Keiner der anderen Les Pauls, die ich dann in dem Laden anspielte, konnte auch nur annähernd mithalten. Na gut, gekauft. Und so war ich dann endgültig vom Pechvogel zum Glückspilz mutiert.

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