Auf nach Anguilla

Alarm um 7 Uhr morgens: wildes Getrampel an Deck. Unsere Mitsegler mussten unbedingt in den ersten Sonnenstrahlen des Tages die Standup-Paddle-Boards ausprobieren. Wir waren trotz Müdigkeit schnell genug an Deck, um das große Finale der Bauchklatscher mitzuerleben. Nach dem Frühstück zog es auch C und mich nochmal aufs Brett – ja, genau zu zweit auf eines! Man kann sagen was man will, das ist die höchste Schwierigkeitsstufe. So gesehen schlugen wir uns gar nicht schlecht. Nach mehreren Anläufen schafften wir es tatsächlich, lange genug für ein Foto stehen zu bleiben.

Der Tagestörn führte uns dann an Sandy Island vorbei in die Road Bay, wo es nur von Restaurants und Cocktailbars wimmelte. Wir kehrten bei Johnno’s ein. Es gab Drinks mit Schirmchen und Burger für Heiko und Bernd. Vor dem Bezahlen erkundigten wir uns nach einem Geldautomaten, was einen netten farbigen Herren, der sich später als Johnno persönlich herausstellte, dazu bewog, C und mich in die Stadt mitzunehmen. Die Fahrt in seiner abgewrackten Karre war skurril, aber ich konnte es mir nicht verkneifen, in bester amerikanischer Manier sofort ein Gespräch anzufangen. Und so erzählte Johnno von seiner Zeit in Washington DC und New York, wo er an Hotelbars den Grundstein für sein Unternehmertum legte, dem Winter trotzte und schließlich doch nach Anguilla zurückkehrte, um sein Restaurant zu eröffnen. Wer hätte es gedacht, der Typ war richtig unterhaltsam und hatte sogar Stories von Robert DeNiro zu bieten. Der Bankautomat war an Traurigkeit nicht zu überbieten: Wie in einem Klohäuschen stand er einsam neben einer Betonruine. Zurück im Restaurant informierten die Anderen uns, dass es ihnen nicht gestatte war, mit Karte zu zahlen – schließlich seien wir doch extra Geld holen gegangen.

Zurück aufs Boot, Landfein gemacht und dann auf Restaurantsuche gegangen. Ein französischer Rattenfänger lotste uns in seinen Laden, mit dem (etwas überzogenen) Versprechen auf günstigen Hummer. Was soll ich sagen? Schwamm drüber, wir haben schon besser gegessen. Immerhin bekam niemand Durchfall (eine Aussage, die ich am nächsten Tag revidieren musste). Zum Schluss gab es noch einen zünftigen Absacker in der Elvis Beach Bar, zusammen mit den Aussteigern und Beach-Bums. So macht die Karibik Spaß!

St. Barts

Am nächsten Morgen lachte die Sonne, das Boot schaukelte seicht vor Anker und unsere deutschen Mitsegler hatten Jetlag. Während C und ich gefühlt 4h zurück und eher an Ausschlafen interessiert waren, ging es an Bord schon früh rund. Schwamm drüber, nach dem ersten Bad im kristallklaren Wasser, in der unmittelbaren Nähe zu Riesenschildkröten, stand erstmal ein zünftiges Frühstück mit Joghurt, französischem Käse und Nutella (na klar, das muss sein) an. Danach machten wir uns auf zu unserem ersten Landgang. Es galt Kontaktlinsen zu besorgen. Vorbei an der ehemaligen Rockefeller-Villa kletterten wir auf den ersten Berg, nur um zu erkennen, dass auf dem Weg zur nächsten Stadt noch etliche folgen würden. Also lieber Fotos gemacht und zurück zum Katamaran, um auf dem Seeweg die Stadt Gustavia zu erreichen.

Im Hafen von Gustavia reihte sich dann eine Superyacht an die nächste. Groß, größer, am größten – zu nennen wäre zum Beispiel die One More Toy, mitsamt Crew ab 150.000 EUR die Woche zu chartern. Wir machten lieber etwas außerhalb an einer Boje fest und fuhren mit dem Dingy (Schlauchboot) in den Hafen. Gustavia is eine nette und geschäftige Kleinstadt mit einer hübschen Uferpromenade und jeder Menge Cafés und Restaurants. Ehemals schwedisch, wurde die Stadt nach dem schwedischen König Gustav benannt und dann irgendwann an die Franzosen abgetreten. Die Immobilienpreise vor Ort sind übrigens heftig – selbst für kalifornische Verhältnisse. Wir haben zwar keine Stars gesehen, aber es soll nur so von ihnen wimmeln. Die Kontaktlinsen bekamen wir dort auch, so dass es erfolgreich an Bord zurückgehen konnte. 

Nach dem Landgang machten wir einen Schlag zurück nach St. Maarten, vorbei am Flughafen, wo die Piloten halsbrecherische Anflugmanöver fliegen. Unterwegs kreuzten wir noch den Weg der Eclipse, der größten Privatyacht der Welt – Eigentum von Roman Abramowitsch. Das Ding ist mit 162m Länge riesig und mit Hubschrauberlandeplätzen und Raketenabwehsystem die perfekte James Bond Yacht. Schließlich gingen wir in einer hübschen Bucht vor Anker und waren weit und breit das einzige Boot. Im letzten Sonnenlicht beschloss ich, endlich eines der mitgebrachten Standup-Paddle-Boards auszuprobieren. Immerhin bin ich Surfer, wie schwer kann das denn sein? Lasst es mich sagen, Kinder: Diese Bretter sind wackelig – vor allem wenn man 1,90m groß ist, aufrecht steht und noch paddeln muss. Gut, dass das Wasser angenehm warm war, denn ich ging baden, baden und nochmals baden. Nach 15 Minuten hatte ich den Dreh aber raus, und paddelte unter heiterem Gelächter meiner Mitsegler bis zum Strand und dann wieder zurück. Danach gab es Nudeln mit Krabben und Knoblauch und alle waren glücklich.

Segeln in der Karibik

Einmal in der Karibik segeln gehen. Das war schon immer ein Traum von mir. Letzte Woche war es endlich soweit. Zusammen mit Freunden aus Deutschland haben wir einen 46-Fuß Katamaran in St. Maarten gechartert und auf den Spuren der Freibeuter die Gewässer der Karibik unsicher gemacht. Über Washington DC ging es mit United nach St. Maarten. Richtig, das ist der irre Flughafen, dessen Landebahn praktisch direkt am Strand beginnt. Die Flugzeuge schweben im Landeanflug nur weniger Meter über die Köpfe der Sonnenanbeter hinweg. Die Insel an sich ist wenig spektakulär, aber zweigeteilt: Der Norden ist französisch, inklusive Baguettes und Croissants, der Süden ist Holländisch, erinnert mit seinen Fastfood-Ketten aber eher an die USA. Dementsprechend werden im Süden gerne US Dollar als Zahlungsmittel akzeptiert, während im Norden der Euro angesagt ist.

Am Hafen angekommen erwartete uns die erste Überraschung: Das Boot war riesig! Katamaranen eilt der Ruf voraus, dass sie viel Platz bieten, aber dennoch hatte ich so viel Luxus nicht erwartet. 4 Kabinen, jede mit einem eigenen Bad, Stehhöhe sogar für mich, dazu noch ein riesiger Salon. Skeptisch war ich nur ob der Segeleigenschaften, denn der Kat machte mehr den Eindruck eines Wohnmobils als eines flotten Seglers. Die erste Nacht verbrachten wir im Hafen. Am nächsten Tag gingen wir noch schnell einkaufen (den größten Teil des Proviants hatten wir vorbestellt), Heiko als Skipper machte die Übernahme des Kats perfekt und dann liefen wir aus in Richtung St. Barthélemy.

Die Insel, im Volksmund St. Barts genannt, ist ein Zufluchtsort für die Superreichen dieser Welt. An dicken Yachten mit mehreren Stockwerken und allem vorstellbaren Luxus mangelt es dort nicht (ab $150.000 pro Woche zu chartern). Bei leichtem Wind tat sich unser Kat tatsächlich schwer damit, auf touren zu kommen, aber wir erreichten schließlich unser Ziel, die Colombier Bucht. Einmal vor Anker, grillten wir Burger an Bord und genossen den ersten Sonnenuntergang bei lokalem Carib Bier.

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