Crunchy Riesengarnelen

Heute war ich zum Mittagessen mit einem chinesischen Kollegen verabredet. Es gab Burmesisch: Reis, Auberginen, scharfes Huhn, Schweinefleisch und Riesengarnelen. Ich hatte die Garnelen leider verpasst, aber mein Kollege hatte sich zwei Prachtexemplare auf den Teller geladen. Nun muss man wissen, dass Mittagessen mit Chinesen voller Überraschungen stecken können, Sagen wir einfach mal, dass es nicht unbedingt Übereinstimmung bei den Tischmanieren gibt. Heute lief aber alles glatt, bis mein Kollege sich an den Riesengarnelen zu schaffen machte. “Mal sehen, wie er die jetzt schält”, dachte ich, als er den ersten Kopf abgeschnitten hatte. Zu meiner Überraschung biss er einfach ein ordentliches Stück von der Garnele ab und fing an zu kauen – samt Schale und Beinchen. Und ich Horst mache mir noch Gedanken wegen der Feinarbeiten! Leider habe ich mich nicht zu einem Kommentar hinreissen lassen – ich war einfach zu baff. Aber wahrscheinlich hätte er mir einfach gesagt, dass die Garnelen so einfach knackiger bleiben. Ist wahrscheinlich auch gut für die Fingernägel.

Hausgeschichten

Der Winter in Kalifornien hat schon seine Vorteile. Außer dem Regen, der uns frisches Trinkwasser bringt, hat das Wetter auch positiven Einfluss auf unser Haus. In den USA wird wie eh und je vor allem mit Holz gebaut. Und wie mein Opa schon immer sagte: Holz arbeitet. Und unser Haus arbeitet mit. So entstehen über den Sommer regelmäßig Risse in den Wänden und Decken, die es nicht zu kaschieren lohnt. Am Ende des letztjährigen, trockenen Sommers schlossen die Türen unseres begehbaren Kleiderschranks und die des Gästebads nicht mehr richtig – so sehr hatte sich das Haus verzogen. Mit dem Winter kam allerdings die Feuchtigkeit zurück und siehe da: beide Türen schließen wieder wie eine Eins.

Ich frage mich schon seit langem, ob das nur in unserem Haus der Fall ist. Aber der Mann einer Arbeitskollegin von C räumte letztes sämtliche Zweifel meinerseits mit einer Geschichte beiseite. Seine Frau und er verbrachten zwei Monate des vergangenen Winters in Nürnberg. Alle Koffer waren gepackt, das Taxi stand vor der Tür, aber losreißen konnten sie sich trotzdem nicht – denn die Hautür wollte partout nicht mehr schließen. Er warf sich gegen die Tür, versuchte es mit Gewalt und musste am Ende dennoch die Beschläge los schrauben, um sie schließen zu können. Es muss schon ein komisches Gefühl gewesen sein, das Haus in diesem Zustand für zwei Monate zu belassen, aber so ist das eben in Kalifornien.

Frühlingsgefühle

22 Uhr in Berkeley. C und ich liegen auf dem Bett und unterhalten uns. Plötzlich hören wir etwas, das nach Schritten auf dem Dach klingt. “Was ist das?”, fragt C. “Keine Ahnung, klingt nach etwas auf dem Dachboden oder auf dem Dach”, entgegne ich. “Da war es wieder, das sind doch Schritte”, meint C. Ich gehe durch das Haus, aber man hört das Geräusch tatsächlich nur im Schlafzimmer. C öffnet die Balkontür und tritt nach Draußen. Es riecht nach Holzfeuer. Offenbar will ein Nachbar seine Gasrechnung drücken. “Hörst Du das auch?”, meint C. “Das Geschnatter?”, entgegne ich. Ich steige auf die Veranda, um aufs Dach zu schauen und da erspähe ich sie: zwei Waschbären, innig ineinander verschlungen, lassen ihren Frühlingsgefühlen freien Lauf – auf unserem Dach. “Du glaubst es nicht, da poppen zwei Waschbären”, rufe ich zu C hinunter. Ihre Augen funkeln im Dunkeln, als sie mich ganz ungeniert anschauen. Ich klopfe auf das Dach. Keine Reaktion. Ich rufe und zische und tatsächlich, langsam lösen sie sich voneinander. Das Weibchen ist zierlich, der männliche Waschbär ein richtiger Kaventsmann. Sie machen sich auf in Richtung Dachrinne und steigen ganz gemächlich an einem Strauch hinab. Das Weibchen ist noch dreist genug, um mir neugierig auf dem Zaun entgegen zu kommen. Gemeinsam verscheuchen C und ich das Liebespaar in den Garten der Nachbarin. Soll die sich doch mit den Liebestollen Waschbären herumärgern. Die Magnolien blühen, die Bäume treiben aus, am Wochenende werden es 19°C – es ist jetzt wirklich Frühling. 

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