Frühling in der East Bay (mit 4 Sternen).

Hochgebockt

Bei uns in der Nachbarschaft wird das Fundament eines Hauses neu gemacht. Eines Tages kamen ein paar Arbeiter mit Wagenhebern und bockten das Haus kurzerhand hoch, fast wie ein Auto mit Reifenschaden. Zuerst ein paar Zentimeter, dann immer mehr bis es auf knapp 2 Meter hohen Stelzen stand. Das ist nicht ungewöhnlich hier in der Gegend. Schließlich hält nichts ewig. Wenn ein Fundament repariert oder ganz neu gegossen werden muss, reichen den Handwerkern normalerweise ein paar Zentimeter Luft, um ihren Job zu machen. Bei diesem Haus müssen die Jungs nicht mal mal die Köpfe einziehen. Zumindest dachte ich das, bis C letztens nach Hause kam und vom Baufortschritt berichtete. “Stell Dir vor”, sage sie, “die machen gar kein neues Fundament, die stocken auf”. Oder besser gesagt: sie stocken unter.

Zuerst dachte ich das sei ein Witz, aber eigentlich ist es ja nur logisch. Warum das Dach samt Dachstuhl abreißen, eine neue Etage drauf setzen und dann alles neu machen, wenn man auch einfach eine Etage darunter setzen kann? Noch besser: die Bewohner müssen nicht einmal ausziehen, man lehnt einfach eine Leiter an die Haustür und (ich nehme an) fließend Wasser gibt es dann durch einen Gartenschlauch. Eines muss man den Amis echt lassen: sie sind pragmatisch. Und die hier übliche Leichtbauweise erlaubt halt auch allerhand Veränderungen im und am Haus – egal wie alt es ist. Ich bin gespannt wie die Arbeiten vorangehen. Vielleicht brauchen wir ja auch irgendwann mehr Platz.

Letztens beim Ausländeramt

Es ist mal wieder soweit: Meine Arbeitserlaubnis (nicht aber das Visum) läuft Mitte April ab. Höchste Zeit also für einen Besuch beim Ausländeramt, um biometrische Daten für mein neues Dokument abzugeben. Dort ist alles straff organisiert. Ist man erstmal am großen, schwarzen Wachmann vorbei gekommen, zieht man eine Nummer und füllt einen Bogen aus. Name, Vorname, Sozialversicherungsnummer, usw. werden abgefragt. Unter anderem interessiert sich der amerikanische Staat auch dafür, wo man geboren wurde und welche Staatsbürgerschaft man inne hat. Bei mir ist alles klar: Germany und Germany. Überall wimmelt es von Ausländern. Die Inder und Chinesen haben zum Teil ihre ganzen Familien dabei. Die Kinder sehen oftmals schon völlig amerikanisch aus. Egal, die Eltern interessieren sich ihrem Verhalten zu urteilen nach sowieso mehr für ihre überdimensionierten Smartphones. Dass deren Benutzung im Amt strengstens untersagt ist, interessiert die Chinesen nicht die Bohne. Die haben eben starke Nerven.

Während ich meine letzten Daten in das Formular eintrage, setzt sich plötzlich ein asiatischer Herr neben mich. Er ist alleine da und der englischen Sprache nicht mächtig. Während man die Führerscheinprüfung in diesem Land in allen denkbaren Sprachen ablegen kann, ist das Ausländeramt gnadenlos. Ohne Englisch kommt man nicht weit. Der Herr ist immerhin bis zur Frage nach seinem Geburtsland gekommen. Jetzt ist er am Ende. Er deutet auf die Frage und schaut mich fragend an. Ich versuche es mit Umschreibungen, zücke meinen Pass, aber das alles beeindruckt ihn wenig. Ich finde er sieht vietnamesisch aus, aber ich traue mich dennoch nicht, mich ausgerechnet in der Ausländerbehörde als Rassist zu outen. Also schweige ich. Es geht hin und her und plötzlich sagt der Herr: “Vietnam?” “Yes, Vietnam”, entgegne ich. “Vietnam?”, “Vietnam!”, “Vietnam”. Unser Gespräch entwickelt sich prächtig. Jetzt zeigt er auf die nächste Zeile, die mit der Frage nach der Staatsbürgerschaft. “Vietnam”, kommt es bei mir wie aus der Pistole geschossen. “Vietnam”, bestätigt er noch einmal zur Sicherheit – und wird aufgerufen.

Wochenende am Tahoe

Heute ist einer der seltenen Feiertage in den USA: Presidents Day. Daher sind wir in den Genuss eines langen Wochenendes gekommen, das wir zusammen mit alten und neuen Freunden am Lake Tahoe verbracht haben. Unsere Gruppe war recht international besetzt, mit zwei Russinnen, drei Amerikanern, einem Ägypter (mit russischer Mutter), einer anderen Deutschen und uns. Dementsprechend gab es bunt gemischtes Essen, z.B. Rührei mit Speck und Kaisersemmeln zum Frühstück, Kartoffelpuffer, russische Pelmeni, rote Beete Heringssalat oder Mexikanisch zum Abendessen. Als Nachtisch standen dann Brownies mit hot Fudge und Eiscreme auf dem Programm. Wir mussten also nicht an Hunger leiden und eine Gute Basis war auch nötig, denn die Russinnen hatten ordentlich Vodka im Gepäck – den sie natürlich nicht alleine trinken wollten. Gewohnt haben wir in einem riesigen Haus am Süden des Sees, mit Hot-Tub und allem Schnickschnack. Die Stimmung war gut und ließ sich auch durch politische Diskussionen zum Thema Ukraine nicht trüben.

Tagsüber waren wir dann Skilaufen, dem Kunstschnee sei Dank. Auch dieses Jahr hat es wieder viel zu wenig geschneit am Lake Tahoe – und viel zu wenig geregnet in der Bay Area. Der Frühling ist endgültig da und ich gehe nicht davon aus, dass es bis zum Herbst noch viel regnen wird. Auf der Piste war es dementsprechend richtig warm und einige Wintersportler waren tatsächlich kurzärmelig und sogar mit kurzer Hose unterwegs – kein Wunder bei strahlendem Sonnenschein und 15*C. Uns war es recht, wir sind braun geworden, haben die Pisten unsicher gemacht und die Zeit draußen genossen. Nach dem Sport ging es dann mit Bier vom Fass zu zehnt in den Hot-Tub auf dem Dach, mit bester Aussicht auf den kalifornischen Sternenhimmel.

There’s nothing like the sea (at Montara State Beach)

Endlich Party

Unsere Küche ist beinahe fertig. Die Arbeitsplatte ist drauf, der Backofen drin, und das Gaskochfeld angeschlossen. Letzteres hat uns noch einmal richtig Nerven gekostet, denn der Druckminderer machte den Einbau gemäß Anleitung leider unmöglich. Es war schlicht und einfach nicht ausreichend Platz zwischen dem Backofen und dem Kochfeld, obwohl beides von Ikea genau in dieser Kombination verkauft wird. Nachdem wir das störende Teil um 90 Grad gedreht hatten, passte dann doch alles. Die Klempnerarbeiten unter dem Waschbecken waren dann nur noch ein Klacks. Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie schön es ist, endlich wieder fließend Wasser in der Küche zu haben. Und dazu noch einen Geschirrspüler. Phantastisch.

Was macht man also mit einer neuen Küche? Richtig, man lädt erstmal ein paar Leute zum Brunch ein, damit man so richtig kochen muss. Da kam uns Cs Geburtstag letzten Sonntag gerade recht. Und so wurde gefrühstückt, die Küche bewundert, und dann noch Super Bowl geschaut. Es gab erst Sekt und dann deutsches Bier vom Fass und so viel Essen, dass wir heute noch Lasagne und Kürbissuppe im Kühlschrank haben. Das Spiel um den Super Bowl war spannend bis zum Ende, wobei es die Seahawks tatsächlich noch schafften, den Sieg in der letzten Minute durch einen kapitalen Fehlpass des Quarterbacks aus der Hand zu geben.

Durch die neue Küche ist unser zu Hause auf einmal richtig wohnlich geworden – einfach zu Hause. Es gibt noch viel zu tun, aber ab sofort wollen wir wieder mehr Spaß haben, vor allem am Wochenende.

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