Zurück nach Hause

Unser Amerika-Aufenthalt neigt sich dem Ende zu. In 4h steigen wir in unsere SWISS A340 ein, um unseren 12h Flug nach Zürich anzutreten. Danach geht es ohne große Unterbrechung nach Berlin, wo wir um 17.50 Uhr landen werden. Vorher gehen wir noch mit Katy und Phil etwas essen. Außerdem wollen wir für den Flug vorglühen, damit wir vielleicht etwas pennen können.

Ich freue mich auf Berlin, aber Kalifornien hat es uns gestern und heute mit strahlendem Sonnenschein nicht leicht gemacht, abzureisen. C und ich werden sicher noch eine ganze Weile brauchen, um die Eindrücke dieser Reise zu verdauen. California, we’ll be back! Aber jetzt freuen wir uns auf unsere Familien und Freunde, Muttis Essen und deutsches Bier.

Off the Hook

Eine Woche nach Beginn der Lachssaison hat es uns heute auch zum Angeln auf den Pazifik gezogen. Nachdem Phil sein mit zwei 115 PS starken Außenbordern bestücktes Boot klar gemacht und wir noch schnell Game and Fish Berechtigungen für $15 pro Person im Internet erworben hatten, konnte es endlich los gehen. Es heißt zwar der frühe Vogel fängt den Wurm, wir essen aber lieber Fisch! Daher waren wir auch erst um 11 Uhr auf dem Wasser. Phils Vater ist offenbar ziemlicher Experte im Angeln und außerdem froh, wenn er mal das Haus verlassen darf, weshalb er uns begleitet hat.

Ich war schon ewig nicht mehr Angeln. Wenn ich es genau nehme war ich noch nie wirklich angeln, zumindest nicht so, wie wir heute geangelt haben. Phil und sein Dad nahmen gleich das ganze High-Tech Zeug in Betrieb. Wir hatten es auf Lachse abgesehen und die werden ziemlich groß und schwer. Daher wird in 50 – 100 Fuß Tiefe gefischt und zwar mit Sardinen oder Plastikimitaten von Tintenfischen. Damit der Köder in der richtigen Tiefe hinter dem langsam fahrenden Boot hertreibt, wird er natürlich mit Blei beschwert. Das wird von einer elektrischen Winsch austariert. Mit einem bunten Sonar lässt sich auch ohne Fisch-Finder abschätzen wo gerade ein Schwarm unterwegs ist. Das sah alles super professional aus, aber hat es auch funktioniert?

Phils Vater hatte nach ca. 2h tatsächlich einen ziemlich großen Lachs am Haken. Er kämpfte den Fisch bis an die Oberfläche und auf 3 Meter an unser Boot heran, weshalb ich mich zu einem “Great job, David” hinreißen ließ. Der Fisch allerdings, heftig um sein Leben ringend, riss sich prompt los. Pech gehabt, vor allem deshalb, weil es der erste und einzige Fisch bleiben sollte, der an diesem Tag anbiss. Wohlgemerkt hatte der fette Lachs sich gegen die Sardine und für die Plastikattrappe des Tintenfisches entschieden. Angemerkt sei außerdem, dass einem echt schlecht werden kann, auf einem kleinen Motorboot mit geringer Fahrt durchs Wasser – ist mir aber nicht. Auf dem Heimweg sind wir mit bis zu 30 (!!!) Knoten (55 Km/h) durch und über den Pazifik gesaust. Kein Wunder, das Boot hat ja mehr PS als mein BMW.

Um 15 Uhr war der ganze Spuk vorbei, das Boot wieder auf dem Trailer und wir alle deutlich roter im Gesicht. Natürlich hatte sich niemand eingecremt, obwohl wir es alle besser wussten. Jetzt waren uns unsere Sonnenbrillen ins Gesicht gebrannt. Nach einer kurzen Pause zu Hause, in der C und ich Katys 5er ausgesaugt und geputzt haben, hat C uns alle zu Phil’s Fishmarket eingeladen. Dort haben wir dann Fisch gegessen, den andere gefangen haben. Dieses Restaurant ist lecker, lecker lecker und es gibt alles was das Fisch-Herz begehrt. So ein Tag auf hoher See macht wirklich müde…

Goin’ Fishin’

American Reunion

Ist es wirklich schon 13 Jahre her, dass ich mich im Kino schlapp gelacht habe über American Pie? Nun ja, heute waren wir im Kino, um uns American Reunion anzusehen. Endlich. Wir haben gelacht. Like, a lot. Phil und ich sowieso, aber selbst Katy und C fanden den Film witzig, obwohl meiner Erfahrung nach Mädels Schwierigkeiten damit haben, die subtile Komik der Filme zu verstehen. American Reunion ist mit guten Gags geladen, aber dennoch etwas ernsthafter und mit mehr Handlung ausgestattet, als Teile 2 und 3. Ich habe mit Genugtuung zur Kenntnis genommen, dass die Produzenten sich viel Mühe gegeben haben, um auf den ersten Film anzuspielen. Ständig gab es irgendwelche Andeutungen, die für Fans nicht schwer zu erkennen waren. Und hey, letztendlich ist es wie Phil gesagt hat: Jim, Oz, Finch, Kevin und Stifler sind einfach unsere Generation. Wir sind mit ihnen aufgewachsen und ich freue mich immer wieder, die Jungs auf der Leinwand zu sehen. Ich fand es super, dass für American Reunion wieder alle Schauspielern aus dem ersten Film am Start waren. Sogar der Sherminator durfte wieder ran. Und natürlich Stilfers Mom. Außerdem wurden keine Gags wiederholt und der Kitsch hielt sich auch in Grenzen. Also geht ins Kino und seht Euch den Film an! Alte Zeiten sind einfach cool, auch wenn sie nie wieder kommen.

American Reunion

Ostersonntag

Ich hoffe Ihr hattet alle ein schönes Osterfest. Bei uns war Ostern dieses Jahr ein echter Kracher, mit neuen Freunden und gutem Essen. Wir haben es geschafft, gute deutsche Traditionen (Osterfeuer) mit einer amerikanischen Party zu verbinden.

Nachdem wir ausgeschlafen hatten hat sich C gleich daran gemacht Eier zu färben. Die Farbe dazu wurde eigens aus Deutschland eingeflogen und von den Einheimischen gegenüber den amerikanischen Produkten als deutlich überlegen eingestuft. Katy legte derweil den letzten Schliff an ca. 100 Plastikeier, die mit Süßigkeiten gefüllt wurden. Eigentlich hatte sie schon längst alles fertig, aber mit Toby waren am Tag zuvor alle guten Geister durchgegangen, was uns 30 Eier gekostet und ihm 2 Stunden Stubenarrest eingebracht hatte. Als nächstes trafen Lars und Liz ein, die uns sogleich damit halfen, die Eier zu verstecken. Dabei ging Lars sehr akribisch und motiviert vor, denn in Norwegen gibt es diese Tradition einfach nicht. Phil dagegen legte die Eier eher gut sichtbar auf den grünen Rasen. Ich sage ja, es gibt deutliche kulturelle Unterschiede zwischen Europäern und Amis! Als dann alle Gäste eingetroffen waren gab es erstmal Snacks (crab dip, lecker) und dann wurden die Eier gesucht. Das Prinzip war einfach: Was gefunden wurde, durfte behalten werden. Es gab keine speziellen Geschenke und gesucht wurde gleichzeitig. Auf einem Grundstück wie diesem hier war das überhaupt kein Problem und wir hatten einen Mordsspaß bei der Suche. Lars entdeckte sogar mein gelbes Ei im Zitronenbaum und schaffte es 4 Leute mit 3 absolut fies versteckten Eiern zu beschäftigen. Dieser Norweger lernt schnell. Noch nie Eier versteckt, aber dennoch alle Anderen abgezockt. Nach einer halben Stunde war der Spuk vorbei. Die Eier waren allerdings nicht abgezählt und das bisher letzte hat C heute Mittag gefunden.

Schnell ein kühles Bier und dann ab zum Osterfeuer. Ich kann stolz berichten, dass wir diese Tradition im Hause Cowley erfolgreich eingeführt haben! Phil und Katy haben sich wochenlang darauf gefreut, ein richtiges Feuer zu machen und wir hatten sämtliche trockene Gartenabfälle zu einem großen Haufen aufgestapelt. Schnell noch ein paar alte Bretter drauf und fertig war das Osterfeuer. Feierlich überreichte Phil C seinen Brenner und sofort loderte das Feuer. Es gab noch ein paar unmotivierte Kommentare darüber, ob man für solche Aktionen eine offizielle Erlaubnis benötige, aber die wurden von den Hausherren schnell vom Tisch gewischt. Immerhin sind wir in Amerika! Hier fackelt jeder ab was er möchte. 

Zeit für das Dinner! Die letzten Sonnenstrahlen eines herrlichen Tages genießend, gab es ein phantastisches Drei-Gänge-Menü auf der Terrasse. Den Anfang machte eine Spargelcrèmesuppe, gefolgt von gebackenem Truthahn und Schinken mit Brokkoliauflauf, Möhrchen und Kartoffelgratin. Dazu gab es Bier und Wein. Nach einem Spaziergang waren wir dann auch bereit für Cs Mousse au Chocolat, Marzipan und Mandeltorte von Ikea. Was für ein Tag, vor allem wenn ich daran denke, wie oft Heiko, C und ich Ostern in einer eiskalten Lagerhalle damit verbracht haben, die Top zu reparieren.

Celebration

Es ist Ostersamstag und ich habe Rückenschmerzen. Seit drei Tagen schon. Der Chiropraktiker sagte ich solle kühlen. Außer mit Eis geht das sehr gut im Pool, denn die Wassertemperatur beträgt ganze 15°C. Also nichts wie rein ins kühle Nass. Toby lässt sich nicht lange bitten und planscht eine Runde mit mir (siehe Fotos), während Phil es doch eher vorzieht nicht nass zu werden. Ich halte es ungefähr 10 Minuten im Pool aus. Das Wasser ist so kalt, das mir an der Luft trotz nasser Haut und Wind angenehm warm ist.

Nach dem Bad nimmt mich Katys Mutter mit nach Capitola, zur Chinamassage. Schlappe $25 für eine Stunde Massage, inkl. Fußmassage. Das klingt verlockend und ist es auch, bis C und die Anderen frühzeitig erscheinen und mich daran erinnern, dass wir um 19 Uhr zum Essen verabredet sind. C und ich haben vor, Katy und Phil als Dankeschön für deren unglaubliche Gastfreundschaft zum Essen einzuladen. Es gelingt mir Zeit zu schinden und meine Massage beenden zu dürfen. Unglaublich, wie kräftig die Hände dieser Masseure sind. Ich bin beeindruckt und meinem Rücken geht es besser. Im Manuel’s ist die Hölle los. Zum Glück haben wir reserviert. Es gibt mexikanische Spezialitäten und die Wochenkarte ist seit 1965 unverändert. Wir entscheiden uns für die mit Speck ummantelten und mit Käse gefüllten Garnelen, von denen ich bereits berichtet habe und teilen uns außerdem einen Käse Enchilada – lecker! Nach zwei Pitchern Margheritas ist die Stimmung bestens, auch bei mir, obwohl ich (aufgrund der Schmerztabletten) der designierte Fahrer an diesem Abend bin und Eistee trinke.

Auf dem Weg nach Hause kommt Katy spontan auf die Idee, es noch richtig knallen zu lassen. Ich werde zum Moss Landing Inn dirigiert, wo eine Liveband spielt und Menschen zwischen 20 und 75 richtig Gas geben.  Ich komme mir etwas vor wie im Kino, so viel gibt es zu sehen. Und das für freien Eintritt. Uns fällt auf, dass wir seit unserer Abreise aus Berlin das erste Mal richtig Party machen. C verschlägt es schnell auf die Tanzfläche, wo sie prompt Bekanntschaft mit einer älteren Amerikanerin aus Missouri macht. Die Band rockt die Hits der 60er bis 80er herunter und die Stimmung ist allgemein bestens. Kein Wunder, wir sind ja auch auf dem Hooker’s Ball gelandet. Es dauert etwas, bis mir dämmert, dass der Beginn der Angelsaison für Lachse der Anlass der Party ist. Hooker = Angler, ist doch klar. Das prüde Amerika findet heute Abend woanders statt. Stattdessen sehe ich Frauen um die 60 mit Netzstrumpfhosen und T-Shirts auf denen “I love penis” steht. Daneben tummeln sich 20-jährige Mädels mit 12-Zentimeter-Absätzen und Miedern, die alles hochdrücken was geht – auch das, was nicht da ist. Das Publikum ist skurril, aber ausgelassen und authentisch. Sogar richtige Angler lassen sich blicken, inkl. Anglerwesten und Gummistiefeln. Den absoluten Höhepunkt des Abends bildet aber der obligatorische Wet T-Shirt Contest und Ihr würdet Euch wundern, wer das so alles teilgenommen hat.

Ostersamstag

Mobilitätsinfo: Caltrain

Der öffentliche Personennahverkehr spiegelt die Innovationskraft der Region nur ungenügend wider. Aber es gibt ihn und daher muss er getestet werden. Die Nord-Südverbindung der West-Bay steht heute im Fokus: Caltrain. Die Züge verkehren zwischen Gilroy und San Francisco im Stundentakt, zu den Stoßzeiten alle 20 min. Ich reise heute von Palo Alto nach San Francisco und zurück. Ein Weg dauert genau 1 Stunde, 14 Stationen oder 48 Kilometer. 48 km/h schockt mich noch nicht, der Zug hält fast an jeder Milchkanne und das nicht gerade kurz. Apropos Zug: made in Japan im Jahr 1985, cutting edge sieht anders aus. Dafür halten sich die 13,50$ für das Tagesticket im Rahmen. Umsteigen darf man in San Francisco (eigentlich) nicht, Service gibt es auch keinen, außer dass man gut gekühlt wird. Angetrieben wird der Zug mit einer Diesellok, aber an der Elektrifizierung wird gearbeitet, sie soll bis 2015 abgeschlossen sein.

Der Zug ist pünktlich, aber auf der Strecke verkehrt ja auch nur einer je Stunde und Richtung. Die Stationsansagen sind live und persönlich vom Zugführer gesprochen und je nach Tageszeit an die Stimmung angepasst (“allrighty”…gegen Ende). Das innere des Zugs ist einfach, sauber und funktionell. Keine Mülleimer machen auch keinen Dreck. Neben den geräumigen Fahrradabteilen, die mit praktischen Gummibändern ausgestattet sind, gibt es 2-stöckige Waggons mit Sitzplätzen. Unten je 2 Sitze pro Seite, oben einer mit Öffnung dazwischen. Deren Nutzen wird mir erst bewusst, als der Schaffner kommt (s. Foto). Zu meinen Reisezeiten gibt es genug Sitz- und Radplätze, aber das ist außerhalb der Rush Hour. Die Bahnhöfe liegen am Rand der Orte, Parkplätze, Werkstätten und Lagerhallen prägen das Bild. Park and Ride ist klar der Fokus. Halt, da war doch gerade ein Hüpfburg mit Jahrmarktdimensionen im Hintergarten eines kleinen Häuschens. Sonst gibt es nicht viel zu sehen. In San Francisco landet man immerhin direkt am Giants Stadion, eine Anbindung an andere Züge gibt es nicht, nur an Busse und Trams.

Fazit: 

+ mit Charme, sauber, zuverlässig und für die respektvolle Behandlung des Personals wird auch gesorgt

– ohne Wifi, langsam, umweltunfreundlich und nur Punkt zu Punkt Verbindungen

C

  • 1
  • 2
Menü schließen